Alfred J. Kwak

Mit dem ersten Anime, den ich in Natsukashi~ zurück in die Erinnerung bringen möchte, tu ich mir vielleicht keinen Gefallen, denn Alfred J. Kwak ist eine internationale Co-Produktion zwischen Japan, den Niederlanden und Deutschland, also kein allein in japanischer Hand entstandener Anime. Allerdings sind sowohl Regisseur Hiroshi Saitou als auch Drehbuchautor Akira Miyazaki an der Umsetzung maßgeblich beteiligt gewesen, ebenso entstanden die Animationen in Fernost, sodass die Einordnung als „Anime“ sehr wohl gerechtfertigt scheint.

Schon beim Klicken auf diesen Artikel hattet ihr mit großer Wahrscheinlichkeit den unvergesslichen Opening-Song von Niederländer Herman van Veen in den Ohren, den ich selbstverständlich auch noch einmal direkt hiernach verlinkt habe. Der Serien-Vater van Veen singt dabei nicht nur die niederländische, sondern auch die deutsche Version des Songs, was wohl für eine extra Schippe Charisma gesorgt hat. Die Charakter-Designs stammen indes den Gedanken des Deutschen Harald Siepermann, der u.a. auch für die Walt Disney Animation Studios gearbeitet hat und an einem Alfred J. Kwak-Kinofilm mitwirken sollte. Leider verstarb er 2013 im Alter von 50 Jahren.

Ich selbst kann mich deshalb noch so eindrücklich an Alfred J. Kwak erinnern, weil die erste VHS (Videokassette, ja, richtig, das war noch zu Videorekorder-Zeiten! Vor der DVD!), die ich als Kind geschenkt bekam, die erste Volume von eben Alfreds Abenteuern war. Entsprechend habe ich, da eine zweite VHS nie folgte, unzählige Male mit angesehen, wie Alfreds Familie zu Beginn der Serie stirbt – nein, so traumatisch war das für mich (glaube ich) nicht, doch der Punkt ist: Wie viele ältere Zeichentrickserien, allen voran Anime, scheute man sich nicht, auch unangenehme Themen zu porträtieren. Der Unfalltod der eigenen Familie ist furchtbar, ist aber leider Teil der Realität vieler Menschen. Und so führt Alfred J. Kwak bereits Kinder an brisante Themen heran. Neben Familientod, Umweltverschmutzung und Ausländerfeindlichkeit gipfelt die Serie schließlich mit einer wenig subtilen Analogie zum Nationalsozialismus und lässt Alfreds Kindheitsrivalen Krah als Serien-Pendant zu Adolf Hitler auftreten.

Zwar übertreiben Fans alter Zeichentrickserien gerne, wenn es um das Anprangern neuerer Kinderserien als niveaulosen Schund geht. Tatsächlich aber war die Dichte an ernsten, unangenehmen Themen früher höher als heutzutage, und auch die Darstellung eine nüchternere. Das Argument von heute ist dabei meist, dass Kinder nicht von der Realität verunsichert werden müssten, man sie davor schützen möchte. Ich finde nicht, dass man Kinder vor allem schützen muss und es okay ist, auch mal Angst zu haben. Filme wie „Das letzte Einhorn“ oder „Unten am Fluss“ zeigen auf eindrucksvolle Weise, dass das Leben etwas Wundervolles, aber nicht immer Leichtes ist. Vor allem aber wurde man von Serien wie Alfred J. Kwak auch als Kind für voll genommen, und es kommt nicht von ungefähr, dass viele der Serien von früher auch heute im Erwachsenenalter noch sehenswert sind. Alfreds Abenteuer sind es jedenfalls ganz bestimmt.


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