Hanasaku Iroha

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Wir befinden uns im Tokyo der Gegenwart. Gerade eben kehrt die 16-jährige Schülerin Ohana Matsumae von der Schule nach Hause zurück, als sie noch an der Haustür von turmhoch gestapelten Kartons überrascht wird: Weil der Freund ihrer karriere-fokussierten, alleinerziehenden Mutter verschuldet ist, flüchten die beiden spontan über Nacht. „Die beiden“ heißt dabei: Ohana kommt nicht mit. Stattdessen soll sie zur auf dem Land lebenden Großmutter ziehen, die dort ein traditionelles Onsen-Ryokan (traditonell japanisches „Hotel“ mit heißen Bädern) betreibt. Für Ohana sind die folgenden Geschehnisse anfangs noch wie ein wahr gewordener Film („Ich wollte schon immer mal einer alten Frau begegnen, die Bonbons verteilt!“ bedankt sie sich bei eben einer solchen älteren Dame auf der Zugfahrt), bald aber muss sie merken, dass die Realität nicht ganz so romantisch ist wie ihre Vorstellung. Und das, wo Schulfreund Kouichi ihr vor der Abfahrt noch seine Liebe gesteht. Auf in ein neues Leben in Kissuisou!

Studio: P.A. Works
Genre: Slice of Life
Folgen: 26

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Ganz so als wäre man selbst auf Erkundungstour erlebt man durch Ohanas Augen und Ohren das „Abenteuer traditionelles Japan“. Dabei sind gleichermaßen der Kontrast zu Ohanas modernem Tokioter Alltag wie auch die detaillierten Abläufe in Kissuisou spannend und interessant. Raus aus der Großstadt, ab auf’s besinnliche Land. Und was ist eigentlich ein Ryokan? Wie funktionieren die Arbeitsabläufe der Haushälterinnen, wie wird das traditionelle Essen in der Küche zubereitet? Früh aufstehen, immer die Gäste voran stellen und dann soll da noch irgendwie eine Portion Privatleben mit rein – vieles, wenn nicht alles, ist anfangs fremd und muss von Eindringling Ohana ergründet werden. Wir dürfen ihr dabei direkt über die Schulter schauen und lernen gemeinsam mit ihr. Oftmals mit harschen Konsequenzen, wenn ihr ausgeprägter Gerechtigkeitssinn mit alten Regeln und Manieren kollidiert.

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Es sind allerdings nicht nur kulturelle Aspekte, die für Unterhaltung sorgen. Mindestens ebenso wichtig sind die zahlreichen liebevoll ausgearbeiteten Charaktere, die in Kissuisou leben und dafür sorgen, dass alles reibungslos läuft. Auf organische Weise lernt man etwa die gleichaltrige Küchengehilfin Minko kennen, die Ohana zu Serienbeginn noch erbarmungslos „Stirb bitte“ entgegnet, bald aber zur vertrauten Freundin wird. Auch Nako, die bereits Erfahrung als Haushälterin hat, gibt aufgrund ihrer Schüchternheit viele Rätsel auf, doch Wirbelwind Ohana bringt auch diese Knospe zum Erblühen, ganz getreu ihres ganz eigenen Mottos „kagayakitai!“ – „Ich will erstrahlen, funkeln vor Glück!“ Ein sich wiederholender Ausspruch, der spätestens beim residierenden Autor für Erotik-Literatur für amüsante Zweideutigkeit sorgt.
Jede Figur ist ein Mysterium für sich, ob nun der schrullige, wortkarge Hausmeister Denroku, oder Sohn und Schwiegertochter der Chefin, die das Ryokan modernisieren wollen. Und dann ist da natürlich die strenge Großmutter und Chefin selbst. Nicht umsonst lautet der Titel einer der letzten Folgen „Last Boss Sui Shijima“.

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Dass bei einem überwiegend weiblichen Cast auch die eine oder andere Szene mit ein wenig Sex-Appeal auftaucht, ist wohl kaum zu vermeiden. Immerhin haben die rar gesäten freizügigeren Szenen in Hanasaku Iroha immer einen gewissen Kontext inne und dienen nicht der schamlosen Befriedung der Gelüste des männlichen Publikums. Anzüglich wird es selbstverständlich dann, wenn Taro Jiromaru, der erwähnte Autor für Erwachsenenliteratur, zu Wort kommt, aber nie über das Maß einer humoristischen Szene hinaus.

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Mit seinen hochwertigen, detaillierten Animationen und der mitreißenden Musik zieht Hanasaku Iroha den Zuschauer mit der Wucht eines Spielfilms in seinen Bann und lässt dann nicht mehr los. Jede Folge dringt tiefer in die Mysterien der Menschen und Traditionen vor und verästelt sich auf so gekonnte Art und Weise, dass man das Ende der Geschichte gar nicht kommen sieht und umso trübseliger erkennen muss: Das war es mit dem Aufenthalt in Kissuisou. In vielerlei Hinsicht porträtiert der Anime die vielen von uns anhaftende Sehnsucht nach einem einfacheren Leben, fern vom Stress der Moderne. Und wer weiß, vielleicht dient Ohanas Ausflug ja tatsächlich dem einen oder anderen als Inspiration. Zum Erstrahlen bringt er einen in jedem Fall.

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