Sailor Moon

Wenn ich daran zurückdenke, womit mein Interesse an Anime offiziell geweckt wurde, muss ich immer an Dragon Ball denken, dessen Manga ein Schulkollege mit in die Schule gebracht hatte und das daraufhin auf RTL2 angeguckt worden war. Das stimmt allerdings gar nicht. Tatsächlich kam noch vorher die Sailor Moon-Serie, die 1995 erstmals im deutschen Fernsehen (ZDF) ausgestrahlt wurde, jedoch erst in der täglichen Ausstrahlung auf RTL2 ab 1997 bekannt wurde. Der weltweit berühmte Magical Girl-Anime hat maßgeblich an der Verbreitung des Mediums beigetragen, ganz zu schweigen von der Popularisierung des „Magical Girl“-Konzepts, das vielfach kopiert wurde, jedoch nie wieder dasselbe Level wie in Sailor Moon zu erreichten vermochte.

Ganze 200 Folgen in fünf Staffeln hat der Anime erreicht, der auf der Manga-Reihe von Mangaka Naoko Takeuchi basiert. Ein 14-jähriges Mädchen wird eines Tages von der sprechenden Katze Luna besucht, die ihr den Auftrag erteilt, als Sailor-Kriegerin Sailor Moon für das unbekannte Reich auf dem Mond und dessen Mondprinzessin gegen böse Mächte zu kämpfen. Bald erhält sie Unterstützung von anderen Schülerinnen, die als Sailor Mars, Merkur, Jupiter und Venus ebenso besondere Kräfte erhalten und fortan für den Sieg von Liebe und Gerechtigkeit über das Böse eintreten. Jedesmal dann, wenn die Mädchen auf einen Bösewicht treffen, verwandeln sie sich mithilfe ihrer Mondstäbe oder Broschen, ein Umstand, der aufgrund konsequenter Wiederholung in fast allen Folgen schon mal auf die Nerven gehen konnte.

Nun mag es aus heutiger Sicht den meisten absurd erscheinen, ausgerechnet eine Magical Girl-Serie in irgendeiner Art lobend zu erwähnen, steht doch kaum ein anderes Anime-Genre stärker in der Kritik ob der Menge an Fan-Service, unsinnigem Moe-Faktor und oberflächlicher Geschichten/Charaktere, deren Stereotypismus oft schon in Richtung einer Parodie verläuft. Sailor Moon hat es aus zweierlei Gründen jedoch nicht verdient, mit modernen Entartungen gleichgesetzt zu werden.

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Zum einen ist da der Umstand, dass Sailor Moon tatsächlich Ikonenstatus genießt in seiner Rolle als Wegbereiter für den Erfolg von Manga und Anime. Sailor Moon war längst nicht die erste Magical Girl-Serie, die gab es mit „Himitsu no Akko“ bereits in den 1960er Jahren. Entscheidend hat die Serie um Bunny Tsukino als Bindeglied beigetragen, nämlich mittendrin zwischen „Was, Heidi war ein Anime?!“ und „Naruto, dattebayo!“. Dank Serien wie Sailor Moon und ihrer prominenten Ausstrahlung im täglichen Nachmittagsprogramm von RTL2 formte sich in den Köpfen des meist jüngeren Publikums erstmals die explizite Assoziation mit Anime und Japan – eine Verknüpfung, die zum späteren Boom japanischen Entertainments in den späten 90er/frühen 2000er Jahren in Deutschland führen sollte.

Zum anderen präsentiert Sailor Moon, verglichen mit dem Genre-Gros heutzutage, eine erstaunlich vielschichtige, ernste Geschichte. Vordergründig ist da erst einmal Bunny Tsukino (die im Japanischen übrigens „Usagi“ heißt, also „Hase“ → Tsuki no Usagi: „Mondhäschen“), die mit Freunden gegen das Böse kämpft. Dann aber ist da die mystische Hintergrundhandlung der Mondprinzessin Serenity, Mondritter Endymion und den Sailor-Kriegerinnen, die jeweils einen Planeten schützen. Später geht es um finstere Experimente und das Erlangen des heiligen Grals. Zuletzt wird mit Sailor Galaxia gar ein brutaler Kampf mit abtrünnigen Sailor-Kriegerinnen inszeniert. Als wäre das noch nicht genug, wird das Alltagsleben der Mädchen mit all den übernatürlichen Erlebnissen verflochten, sodass persönliche Liebesepisoden immer wieder dramatische Wendungen nehmen.

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Zugegeben, als damals pubertierender Teenager rührte ein nicht geringer Teil meines Interesses sicher auch von den hübschen Protagonistinnen her, die sich in jeder Folge verwandelten, um dann im hautengen Kostüm samt Minirock über den Bildschirm zu laufen. Je länger man jedoch Sailor Moon geguckt hat, desto spannender wurde die übergreifende Handlung. Ich wollte wissen, wann Bunny herausfindet, wer wirklich hinter Tuxedo Masks Maske steckt. Ob es dem bösen Doktor tatsächlich gelingt, die drei Kristalle zu bekommen, die für das Erscheinen des Grals nötig sind. Und die Sailor Starlight-Gruppe hat wiederum alles auf den Kopf gestellt. Spannend! Also hieß der Plan: Nach der Schule nach Hause eilen, schnell zu Mittag essen, und ab vor die Glotze! Dass ich beim Titellied mitsingen konnte, verrate ich aber lieber nicht …


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