Ginga Eiyuu Densetsu

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Seit Jahrhunderten befinden sich zwei interstellare Großreiche im gegenseitigen Kampf und schicken gigantische Flotten von Raumschiffen ins Gefecht: Die Allianz freier Planeten setzt alles daran, die mühsam erkämpfte Demokratie zu verteidigen und die Macht beim Volk zu belassen. Eben dies möchte das Galaktische Imperium zunichte machen und unter der Alleinherrschaft eines Kaisers die gesamte Menschheit unter einem Banner vereinen. Zwei Glanzlichter kriegstaktischer Brillanz tun sich dabei hervor: Yang Wen-Li, der widerwillig die Flotten der Allianz anführt und durch unübliche Ideen unwahrscheinliche Siege eringt; sowie Reinhard von Lohengramm, der durch überragende Erfolge mehr und mehr Verbündete um sich schart. Der Konflikt spitzt sich immer weiter zu, doch wer wird am Ende den Sieg davon tragen?

Studio: Artland, Madhouse, Magic Bus
Genre: SciFi, Drama (Space Opera)
Folgen: 110

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Aufgrund des Alters der Serie müsste Ginga Eiyuu Densetsu (englischer Titel: Legend of the Galactic Heroes) eigentlich unter der Kategorie „Natsukashi“ laufen, also Serien, die man von damals kennt. Allerdings erschien die Serie nie in Deutschland, weshalb kaum jemand nostalgische Erinnerungen an dieses epische Machwerk besitzen wird. 1988 begann die Ausstrahlung in Japan und umfasst stolze 110 Folgen. Das mag im Vergleich zu Dauerserien wie Naruto, One Piece oder Dragon Ball gar nicht soviel erscheinen, ist aber doch wesentlich beeindruckender, wenn man sich über die Natur von Ginga Eiyuu Densetsu bewusst wird.

Ginga Eiyuu Densetsu basiert auf einer Romanreihe, die bereits vor der Anime-Adaption erfolgreich war und in zehn Bänden von 1982 bis 1987 veröffentlicht wurde. Genau diesen Ursprung als Roman merkt man auch der Anime-Serie zutiefst an. Um einen Vergleich anzustellen, der auch westlichen Anime-Fans etwas sagt, muss ich „Krieg und Frieden“ heranziehen. Wie jenes 1200 Seiten starke Machwerk von Leo Tolstoy ist auch Ginga Eiyuu Densetu ein unglaublich detailliert erzähltes Drama, zwischen politischem und sozialem Kommentar, das sich die Zeit nimmt, jedwede Vorgänge ohne Rücksicht auf action-leere Längen darzustellen. Ja, es gibt sogar zwei bis drei Folgen, die von Anfang bis Ende reiner Geschichtsunterricht sind, also wirklich nur von einem Erzähler begleitet erklären, was in der Historie der Menschheit vorgefallen ist.

Aber nur, weil es nicht Schlag auf Schlag Action gibt, ist Ginga Eiyuu Densetsu nicht langweilig. Im Gegenteil ist es faszinierend, all den Verstrickungen der vielen Charaktere zu folgen – und von denen gibt es wahrlich nicht wenige. Zwar sind Yang Wen-Li und Reinhard von Lohengramm die jeweiligen Hauptfiguren der beiden Sternenreiche; dazu kommen aber all die Mitstreiter, Untergebenen und selbstständig agierenden Charaktere, die über den Serienverlauf hinweg stetig an Tiefe und Farbe gewinnen. Da findet in einer kurzen, aber passenden Szene irgendwann nach 70-80 Folgen sogar ein Imperiums-Admiral eine Frau, die er der Situation wegen kennen lernt. Dabei ist dieser Anime alles andere als ein Beziehungsdrama, doch die geschickte Einbindung erlaubt derlei Feinheiten.

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Die große Besonderheit, abgesehen von der detaillierten Darstellung, ist auch die neutrale Präsentation beider Kriegspartien. Als moderner Zuschauer möchte man sich, gerade im heutigen Jahr 2017, natürlich auf Seiten der Allianz stellen, schließlich sind Monarchie und Alleinherrschaft immer böse, oder? Tatsächlich ist Yang Wen-Li ein grundsympathischer Held, doch wird schnell klar, dass die so hoch gelobte Demokratie durchsetzt ist von Korruption und Intrigen. Mit letzteren hat auch das Imperium zu kämpfen, zugleich tut sich Reinhard von Lohengramm immer mehr als vernunftgeleiteter, gerechter Führer hervor und man gerät ins Grübeln, ob es wirklich so schlimm wäre, wenn dieser Mann die Menschheit einen würde. Doch dieser Gedanke ist in der Serie allgegenwärtig und tendiert über die gesamte Handlung hinweg mal mehr Richtung „ja“, dann wieder Richtung „nein“.

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Um peinliche Szenen muss man sich in diesem Anime aus dem Jahr 1988 keine Sorgen machen. Ginga Eiyuu Densetsu ist eine durch und durch nüchtern erzählte Geschichte, die in den seltenen Momenten, in denen Romatik eine Rolle spielt, eher nett, süß, vielleicht auch ein wenig unbeholfen wirkt, nie jedoch übertrieben, geschmacklos oder gar anzüglich. Erwähnt sei jedoch an dieser Stelle, dass im Verlauf späterer Raumschiffschlachten teils brutale Szenen gezeigt werden, die im Stile von „Der Soldat James Ryan“ die Realität hinter all dem hochtrabenden, ehrenvollen Gehabe der Admirale und sonstigen Führungskräfte aufzeigen. Da kriecht dann schon mal ein erbarmungswürdiger Soldat am Boden eines getroffenen Raumschiffs vorwärts und hält sich den Bauch, während ein Stück Gedärme hinterher schleift. Widerlich – aber ein angemessener Reality-Check.

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Ginga Eiyjuu Densetsu guckt sich nicht immer einfach. Zu vollgepackt ist jede einzelne der 110 Folgen mit Entwicklung der Handlung, mit höfischer Intrige oder mit Hintergrundinformationen. Das hier ist kein Anime, den man mal eben mit halber Aufmerksamkeit nebenbei gucken kann, während man kocht oder auf’s Smartphone guckt. Ginga Eiyuu Densetsu verlangt volle Aufmerksamkeit. Wer gewillt ist, diese zu gewähren, darf sich jedoch gewiss sein, eine der besten Geschichten der Anime-Historie zu erleben. Und das von der ersten bis zur letzten Episode. Im Weg steht dann nur noch die altbackene Animation, die dem Alter der Serie geschuldet ist. Ich sage: Es lohnt sich allemal. Alle anderen sollten hoffen, dass das für dieses Jahr angekündigte Remake die Fackel angemessen weiterträgt.


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2 Gedanken zu “Ginga Eiyuu Densetsu

  1. Die neue Serie kann nur ein Flopp werden. Die heutige Zuschauergeneration Etchi/Hentai/Harem will nichts Anspruchsvolles sehen, weswegen die Macher bestimmt alles unternommen haben, um die Serie zu simplifizieren. 12 Folgen und 3 Filme werden dem Stoff keineswegs gerecht. Hinzu kommt noch das hässliche und unpassende Charakterdesign. Hatten früher alle Charaktere einzigartige Proportionen und Nasen, gibt’s heute die lieblose Standardschablone. Gineiden ist ein seriöser Erwachsenenanime und talentierte Animationsstudios hätten darauf Rücksicht genommen. Schade, Gineiden ist einmalig und hat was Besseres verdient.

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    1. Hm, ich bin da etwas zuversichtlicher bzw. will es sein. Allerdings erwarte ich in der Tat nicht soviel ausgeklügelte Intrige wie im Original – dafür fehlt es dem heutigen Publikum wohl an Geduld.

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