FAZIT – Herbst-Saison 2017

Die Herbst-Saison 2017 ist an ihrem wohlverdienten Ende angelangt, der beste Zeitpunkt also, das Gesehene Revue passieren zu lassen. Dabei sei vorweg gesagt: Die Welt der Anime hat sich im letzten Vierteljahr von ihrer besten Seite präsentiert, die eine oder andere Enttäuschung war allerdings auch darunter. Wie immer gilt: Sollte ich eine Serie verpasst haben, die man unbedingt gesehen haben muss: Ab in die Kommentare damit. Und jetzt wollen wir mal mit der Rückbetrachtung der Herbst-Anime loslegen:


Ballroom e Youkoso Staffel 2: Um das Schlimmste hinter mich zu bringen: Die zweite Staffel von „Welcome to the Ballroom“ ist wohl die größte Enttäuschung des letzten Quartals. Wer einen Blick ins e-Sekai.de-Fazit vom Sommer wirft, der wird das (verdiente) große Lob an diesen Anime über Tänzer und Tanzwettbewerbe nachlesen können. Dass dann das daraus würde … schade. Staffel 2 verliert sich im Kleinklein, verpasst es zu vermitteln, worin Tataras und Chinatsus Anstrengungen wirklich liegen, und verwirrt zusätzlich, indem unklar bleibt, wie ein Tanzpaar trotz so vieler transportierter Fehler ständig gewinnt. Etwas weniger von Episode zu Episode wechselndes Drama, dafür mehr Hintergrundinfo über die spezifischen Tanzschritte hätten dem Verständnis des Zuschauers gut getan. Nach insgesamt 24 Folgen muss ich leider damit verbleiben: Mehr davon braucht es nicht.

MAL-Wertung: 5/10

Net-Juu no Susume: Erfreulicheres gibt es zu dieser Serie zu berichten, die vom Leben einer Frau mittleren Alters erzählt, die sich für das NEET-Leben entschieden hat. Moriko lebt für ihr MMORPG, jeglicher Kontakt zur Außenwelt fällt unter „notwendiges Übel“. Trotz MMORPG-Kontext spielt das Online-Game selbst nur eine untergeordnete Rolle, stattdessen geht es ums Miteinander der Personen, die Moriko sowohl online als auch offline antrifft. Dass Moriko in der Online-Welt einen männlichen Charakter spielt (was sie zum sogenannten „Nenabe“ macht), ist letztlich nur ein bisschen zusätzliches Drama, viel wichtiger ist, wie sie sich nach und nach dem Freund eines ehemaligen Kollegen öffnet, Sakurai-san, der zuuufällig seit langem mit Moriko gemeinsam dasselbe MMORPG zockt, und zwar als weiblicher Charakter (er ist also ein „Nekama“)! Doch wie gesagt, die MMORPG-Thematik ist hier nur Kulisse, die erblühende Beziehung zwischen Moriko und Sakurai steht im Mittelpunkt. Den beiden bei ihren unbeholfenen, schüchternen Annäherungsversuchen zuzugucken, ist richtig niedlich und weckt zugegebenermaßen Erinnerungen ans eigene Leben. Leider hört die Serie für meinen Geschmack zu früh auf, doch es muss ja nicht immer bis zum bitteren Ende (aka Schwangerschaft!!1) erzählt werden. Eine süße Geschichte, vor allem für Internet-Nerds.

MAL-Wertung: 7/10

Juuni Taisen: Ohje, wozu hab ich mich da nur von meinem Anime-Zirkel überreden lassen. Nein, unbedingt schlecht ist dieser ultimative Showdown zwischen den stärksten Kämpfern der Welt nicht, aber doch so plump und unspektakulär präsentiert, dass ich mir beim Gucken immer wieder die Frage gestellt habe: „Warum gucke ich das?“ Klar, irgendwo will man einfach wissen, welcher der 12 Kandidaten denn nun am Ende lebend aus der Sache raus kommt. Nur geht ordentlich Spannung flöten, wenn lange erwartete Kämpfe dann auf banale, nüchterne Weise enden, anstatt eine nervenaufreibende Choreographie abzuliefern, wie sich das für einen Battle-Anime gehört. So endet auch die letzte Folge mit einer so langweiligen, hanebüchenen Entscheidung des Siegers, dass man sich das Gucken der Serie wirklich hätte sparen können. Anime-Anfänger, vor allem jüngeren Alters, die sich von bloßer Gewalt begeistern lassen, haben hier wohl noch am meisten Spaß. Der Rest widmet sich den unzähligen besseren Serien des Mediums.

MAL-Wertung: 4/10

Shokugeki no Souma Staffel 3: Schwacher, konfuser Einstieg, dann eine flache, aber stetige Steigerung, bis hin zu einem Finale, das nach einer weiteren Staffel verlangt. Hier hat es gelohnt, nicht nach dem durchfahrenen Anfang aufzugeben und dranzubleiben. Erinas Vater feiert seinen großen Auftritt und krempelt die gesamte Akademie um. Dem hat niemand etwas entgegen zu setzen – außer natürlich unser Held Yukihira Souma! Kopf voraus springt er ins Haifischbecken und fordert die miesen Anhänger der neuen Organisation namens Central heraus, um das Fortbestehen des eigenen Hauses zu sichern. Wie schon seit der zweiten Staffel sind die Entscheidungen darüber, wer in den Kopchduellen gewinnt und wer verliert eher willkürlich, doch die neue Gefahr, gleichwie arg übertrieben dargestellt, bringt frischen Schwung in den Küchenalltag. Hoffentlich kommt da bald Nachschub.

MAL-Wertung: 6/10

Black Clover: Die neue „große“ Shounen-Serie. So jedenfalls will es uns die Marketing-Abteilung von Shueisha Glauben machen. Tatsächlich bietet Black Clover leider so gar nichts Neues und liefert eine Geschichte auf Niveau der späteren Füller-Folgen von Naruto. Wie ich bereits auf Twitter fragte: Wären wir damals Fan von Naruto geworden, wenn man mit Tiger-Mizuki angefangen hätte? Wohl kaum. Was die Macher hier wohl geritten hat, ist wenig nachvollziehbar. Nunja, den großen Rubel wollte man machen, wenn man sich anguckt, wie präsent die Serie überall und auch bereits das eigene Videospiel in Entwicklung ist. Asta ist nervig und kann genau das nicht, was die Serie in den Mittelpunkt stellt, nämlich Magie. Die bisherigen Kämpfen sind auf besserem Ash-und-Pikachu-schlagen-Team-Rocket-Niveau und versprechen keine Besserung. Für mich gilt: Wenn ich es schaffe, hart zu bleiben, wird nicht weitergeguckt.

MAL-Wertung: 4/10

Inuyashiki: Dass eine Serie vom Gantz-Autor ordentlich Kontroverse liefern würde, war ja eigentlich jedem klar. Und tatsächlich hat die Serie rund um den als Kampfmaschine wiedergeborenen Onkel Inuyashiki mehr als nur einmal Szenen präsentiert, die hier im Westen wohl für Empörung sorgen würden. Was dabei aber so spannend ist und zum Weitergucken fesselt: Innerhalb der Prämisse der Serie ist das Gezeigte nichts weiter als ein konsequentes „Was wäre, wenn …?“-Szenario. Und das ist nunmal nicht immer „nett“. Ebensowenig wie Adam Sandlers „Click!“-Film nett wäre, wenn tatsächlich jemand eine Fernbedienung erhielte, mittels derer sich die Zeit manipulieren lässt. Insofern brilliert Inuyashiki durch den schonungslosen Realismus seines Szenarios und fällt nur manchmal aus dem Rahmen des Glaubwürdigen heraus – leider so auch zum Höhepunkt der Handlung. Zwar müssen die Dinge angesichts der übermenschlichen Fähigkeiten von Inuyashiki und Shishigami eskalieren, dann aber wirklich einen willkürlichen Asteroiden, der auf die Erde zurast, ins Spiel zu bringen, hinterlässt doch einen etwas fadenscheinigen Eindruck. Nichtsdestotrotz ist Inuyashiki ein Anime-Highlight, das mit keiner seiner 11 Folgen langweilt und eine Geschichte von Anfang bis Ende erzählt. Für mich persönlich stimmt nur die Erscheinungsreihenfolge nicht ganz, denn Gantz war damals noch kreativer, spannender und epischer.

MAL-Wertung: 8/10

Houseki no Kuni: Welch Ärger! Da guckt man die letzte Folge und die Geschichte hört einfach abrupt auf – obwohl sie sich inmitten der Ereignisse befindet. Und doch ist Houseki no Kuni das außergewöhnliche Highlight der Herbst-Saison. Wenn ich Geschichten über fantastische, erfundene Welten sehen möchte, dann gibt es derer zumeist zweierlei: Der eine Geschichtstypus verwendet real vorhandene Elemente und fügt Fantasieelemente hinzu. Das ist mal spannender, mal weniger spannend. In jedem Fall ist es einfacher zu bewerkstelligen als der zweite Typus: Hier wird ein völlig neues Fantasy-Szenario erschaffen, von der Pike auf werden Welt, Charaktere und Regeln frisch definiert. Und das kann gewaltig in die Hose gehen. Nicht so bei Houseki no Kuni. Die Geschichte der Kristallwesen, in deren Handlungsmittelpunkt die schelmische Phosphopyllite steht, vermag von Afang bis Ende eine fesselnde Fremdartigkeit darzustellen, mildert die Distanz zum Gesehenen jedoch durch den Einsatz herzallerliebster Akteure soweit ab, dass es nicht beim bloßen interessierten Betrachten einer Dystopie bleibt, sondern man mit den Figuren mitfiebert, sich um sie sorgt, und ihnen die Daumen drückt. Unbedingt erwähnt werden müssen auch die hervorragenden Animationen, die dem Anime-Herbst einige der atemberaubendsten Kampfsequenzen beschert haben. So sehr zurecht CGI-Animationen im Anime-Bereich auch negativ verschrien sind, Houseki no Kuni haben sie zu noch mehr Glanz verholfen. Angesichts der künstlichen Kristallwesen vielleicht nicht gänzlich ohne Plan. Und jetzt muss ganz schnell Staffel 2 folgen!

MAL-Wertung: 8/10

Mahoutsukai no Yome: Hier bleibt das Fazit im Einklang mit meinem ersten Eindruck: Die Serie um die verlorene Chise, die die magische Welt entdeckt, hätte wohl als Film besser funktioniert. Die vergleichsweise hochwertigen Animationen, der detaillierte Artstyle und die stimmige Musik zwingen zum Weitergucken. Leider so auch der Umstand, dass man verzweifelt darauf wartet, dass endlich etwas passiert. Der Höhepunkt des ersten Cour ist das Erlangen ihres eigenen Zauberstabs – etwas, das Harry Potter in 20 Minuten vollbracht hat, ganz ohne gehetzt zu wirken. Die Serie hat ihre Fans, deshalb kann ich hier keine allgemeine Klatsche verteilen, mir selbst aber ist dieses „unschuldiges Mädchen bekommt von freundlichen Leuten die Welt gezeigt und tut selbst nichts“-Konzept zu ereignislos. Immerhin: Das Finale nach 12 Folgen verspricht neuen Schwung. Mal sehen, was die nächsten 12 Folgen erzählen.

MAL-Wertung: Läuft noch

Kujira no Kora wa sajou ni utau: Eine überschaubare Gruppe Menschen lebt auf einer in einem Wüstenmeer dahintreibenden Insel. Einige der Bewohner besitzen telekinetische Kräfte, leben aber gleichzeitig nicht wesentlich länger als bis zum 30. Geburtstag, wohingegen diejenigen ohne Kräfte normal altern. Schon die Prämisse dieser Geschichte ist interessant genug, um das Anschauen zu rechtfertigen. Nach und nach werden Geheimnisse aufgedeckt, nachdem erstmals Kontakt mit der Außenwelt gemacht wird, und das auf sehr tragische Art und Weise. Eine Unzulänglichkeit des Anime ist jedoch die unglaubwürdige Reaktion der Leute auf den Tod anderer. Bzw. die fehlende Reaktion. Da wird zwar ein wenig getrauert und geweint. Aber der natürliche Schrecken vor dem gewaltsamen Tod in unmittelbarer eigener Nähe wird nicht porträtiert. So begibt man sich, allerdings nur in diesem einen Aspekt, auf das Niveau einer oberflächlichen Shounen-Geschichte. Der psychologische Effekt bleibt unbeachtet. Am Schlimmsten aber ist, dass Kujira no Kora wa sajou ni utau auch eine dieser Serien ist, die genau dort endet, wo die Handlung eigentlich gerade in Fahrt kommt.

MAL-Wertung: 6/10

Just Because: Die Romanze der Saison. Leider muss man sagen, dass über die 12 Folgen hinweg so ziemlich gar nichts passiert ist. Das mag irgendwo realistisch sein, guckt sich dafür aber auch zäher. Die schön ausgearbeiteten Akteure sorgen dennoch für genug Sympathie, um für ein wenig Spannung ob des Ausgangs aufkommen zu lassen. Am Ende kommt aber alles so, wie es sich von Anfang an abzeichnet, und ich frage mich: Wo bleibt da die Überraschung? Wer eine etwas gemäßigtere Schulromanze sehen möchte, darf dennoch gerne reingucken.

MAL-Wertung: 5/10

Blend S: Na, das war doch mal eine angenehme Überraschung! Erst über die Neugier dessen, was in meinem Anime-Zirkel geguckt wird, bin ich auf diese Comedy-Serie gestoßen. Maikas fieser Blick ist immer wieder lustig und kommt für meinen Geschmack sogar viel zu selten vor. Achja, wer ist Maika? Sie ist eine Schülerin, die einen Nebenjob sucht und dabei auf ein besonderes Café stößt. Nein, kein schnödes Maid-Café, wie man es in Japan ja schon erwarten könnte, sondern ein Maid-Personality-Café. Das bedeutet, dass die Bedienungen einerseits zwar typisch hübsch gekleidet sind, zum anderen jedoch auch eine markante Persönlichkeit zum Besten geben. Da gibt es die Tsundere, die große Schwester, und dann eben auch Maika, die dank ihres unfreiwilligen fiesen Blicks in die Kategorie „Sadist“ verfrachtet wird. Einfach herrlich, wenn sie Kunden bedient und dabei ungewollt abweisend wirkt, und sich später zu Sätzen wie „Bitte kommt nicht wieder“ zwingt, um ihrem Charakter treu zu sein, sich hinterher jedoch in Grund und Boden schämt. Trotz des Lobs muss ich sagen, dass sogar noch Potential verschenkt wird, denn zu oft vergeht Zeit mit Belanglosigkeiten – die auch lustig sind, aber vom Thema der Persönlichkeiten abweichen. Eine kleine Love-Story zwischen Maika und dem Café-Besitzer, einem hübschen, blond-haarigen Italiener, rundet alles ab. Her mit Staffel 2!

MAL-Wertung: 8/10


Das war sie also, die Herbst-Saison 2017. Eine unterhaltsame, gute Saison, der jedoch meinem Empfinden nach noch ein weiteres Highlight gefehlt hat. Angesichts dessen, was es zu sehen gab, ist das aber Meckern auf hohem Niveau. Jetzt also auf zur vielversprechenden Winter-Saison 2018. Können Darling in the Franxx, die zweite Staffel von Overlord und all die anderen Serien überzeugen?

Was waren eure Herbst-Highlights der Anime-Welt? Hinterlasst einen Kommentar unterhalb dieses Artikels!

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