Grimms Märchen

Tolle Serien von früher gibt es freilich unzählige, das weiß jeder, der schon einmal das Intro einer alten Zeichentrickserie auf Youtube angucken wollte und dann zwei Stunden später erschrocken feststellen musste, dass ein Intro zum nächsten führt und die Zeit völlig vergessen macht. Selbst dann gibt es aber Kindheitsserien, die selbst bei aktiver Suche kaum mehr auffindbar sind. Eine davon ist „Grimms Märchen“, eine Anime-Erzählung einiger der berühmtesten Märchen der Gebrüder Grimm.

Die 1987 in Japan erschaffene Anime-Serie wurde, wie viele andere Serien ebenso, erst Jahre später 1992 in Deutschland gezeigt, damals auf tm3 und Tele5. Ganze 47 Folgen erzählen die wichtigsten Märchen der Gebrüder Grimm und nehmen sich dabei gerne auch mal richtig Zeit für die Erzählung. Zwar werden die meisten Märchen binnen einer Folge abgehandelt, Schneewittchen aber hat über vier Folgen hinweg richtiggehend Spielfilmlänge.

Ich muss zugeben: Vor dem Verfassen dieses Artikels musste ich erst einmal einige Folgen gucken, da mir schlichtweg zu wenig davon im Gedächtnis verblieben war. Ich wusste einzig, dass es da mal eine Anime-Serie zu den Grimm Märchen gab und die ziemlich gut war. Das reicht aber nicht unbedingt für eine heutige Empfehlung. Jetzt, nach dem Sichten einiger Märchen, kann ich allerdings zuversichtlich sagen: Grimms Märchen war tatsächlich eine tolle Serie und ist es auch heute noch.

natsukashi_grimms-marchen_04

Das liegt in erster Linie an der gnadenlosen Erzählung der Märchen, die, wie die meisten wohl wissen, nicht dazu geschrieben wurden, Kinder zu erfreuen, sondern als eine Mischung aus Lehrgeschichten und volkskundlichen Beobachtungen. Ein interessantes Detail, das der Wikipedia-Artikel über die Brüder Grimm verrät, ist, dass die Grimm’schen Märchen mitverantwortlich gemacht wurden für den Nationalsozialismus in Deutschland. Die teils düsteren, grausamen Geschichten sollen die Jugend verroht haben lassen – es sind also nicht nur heutige Videospiele, denen die Gewalttaten einiger Irrer angelastet werden, nein, es war wohl tatsächlich schon immer „so“.

Was macht die Märchen von Grimm so „problematisch“, wie heutzutage manch einer dazu sagen würde? Jeder kennt die Geschichte von Schneewittchen, die von ihrer Stiefmutter getötet werden soll. Was ist aber mit Allerleirauh, deren eigener Vater sie heiraten will? Traumatisiert findet sie als Magd Unterschlupf in einer anderen Burg und kann erst unter Aufbietung aller Kräfte die Erinnerung an die Heiratsabsichten des Vaters abschütteln und dem Antrag des gutherzigen Prinzen zustimmen. In „Blaubart“ sieht man das geheime Kabinett des Grafen, in dem die verrottenden Leichen der früheren Heiratskandidatinnen an der Wand hängen. In letzter Sekunde können die Brüder ihre Schwester retten und der Blaubärtige verbrennt in den Flammen seines Schlosses. Und dann ist da noch die Folge mit Gevatter Tod …

natsukashi_grimms-marchen_03

Ähnliche Geschichten gibt es zuhauf. Dabei wird nicht plakativ Gewalt in den Vordergrund gestellt, sie passiert ganz einfach. Keine Schonung, kein „Disney“, keine Friede-Freude-Eierkuchen-Welt. Ein Happy End gibt es meistens dann doch, gerne jedoch bittersüß serviert.

Auch die für damalige Verhältnisse hervorragenden Animationen, die spannende musikalische Untermalung und die professionellen Synchronsprecher machten die Märchen-Serie zu einem besonderen Erlebnis. Untypisch für die damalige Zeit beließ man übrigens das Intro beim japanischen Original, wer also nach einem deutschen Opening sucht, wird lange suchen können. Das macht aber auch nichts, angesichts des wunderschönen Songs von Shiori Matsumoto. Ein tolle Umsetzung der Grimm-Märchen, mal wieder aus japanischer Produktion. Auch heute noch sehenswert.

natsukashi_grimms-marchen_02

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s