Monster

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Japan mag Deutschland, deutsche Anime-Fans mögen Japan. Davon hört man immer wieder mal und merkt es auch an den vielen abstrusen deutschen Begriffen, die in Anime auftauchen. Eine Seltenheit aber ist die Präsentation tatsächlich deutscher Elemente. Ins Gedächtnis kommen mir da Asuka Soryu Langley aus Neon Genesis Evangelion oder aber Karl-Heinz Schneider aus Die tollen Fußballstars. Monster geht einen Schritt weiter und spielt über weite Teile hinweg in Deutschland. Dass darüber hinaus auch noch eine unglaublich spannende Story aufwartet, ist quasi das Tüpfelchen auf dem i. Ein riesiges, herausragendes Tüpfelchen.

Studio: Madhouse
Genre: Drama/ Thriller
Folgen: 74

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Wir befinden uns im Düsseldorf des Jahres 1996. Held der Geschichte ist der Japaner Kenzou Tenma, der aufgrund seiner überragenden Fähigkeiten als Neurochirurg viel Ansehen bei allen Kollegen gesammelt hat und sogar mit der Tochter des Klinikdirektors zusammen ist. Es ist ein Tag wie jeder andere, als ein Notfall in die Klinik eingeliefert wird: Ein kleiner Junge hat eine Schusswunde erlitten – einen Kopfschuss. Wie durch ein Wunder ist er noch am Leben, doch die Chancen einer erfolgreichen Operationen sind gewissermaßen nicht vorhanden. Zufällig erfährt Tenma davon und überlegt nicht lange: Wenn jemand die Fähigkeiten besitzt, die Kugel aus dem Kopf des Jungen zu entfernen, ohne ihn dabei zu töten, dann ist er das. Tatsächlich gelingt ihm der Eingriff – doch währenddessen stirbt sein ursprünglich angeplanter Patient, der Bürgermeister, bei einer Routineoperation. In Folge verliert Tenma den Rückhalt bei Kollegen und Direktor, die kein Verständnis dafür haben, dass Tenma die gewinnbringende Rettung des Bürgermeisters hinter die Rettung eines unwichtigen Kindes zurückgestellt hat. Auch seine Verlobte Eva verlässt ihn. Dann aber passiert das Unerklärliche: Der Klinikdirektor wird tot aufgefunden, gestorben durch den Verzehr vergifteter Bonbons. Zugleich ist der gerettete Junge namens Johann aus der Klinik verschwunden. Und Tenma gilt als Tatverdächtiger.

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Wie bereits angestoßen, ist ein Highlight von Monster der Wiedererkennungswert der Schauplätze. Es beginnt in Düsseldorf, geht nach Berlin, nach München, nach Heidelberg, schließlich Richtung Prag. Dazwischen gibt es Stops in vielen kleineren Ortschaften. Für mich als ehemaligen LMU-Studenten war es besonders aufregend, einen dramatischen Höhepunkt mitten im Hauptbereich der Münchner Universität ablaufen zu sehen. Ähnlich wird es bestimmt den meisten gehen, die vertraute Umgebungen in diesem Anime wiederfinden. Es hat etwas ganz Besonderes, eine so außergewöhnliche Geschichte im realen Umfeld beobachten zu können, etwas, das ansonsten wohl nur New Yorker dank der GTA-Videospiele kennen. Monster nimmt unsere hiesige Realität und erweitert sie um eine Ebene des Mysteriums, der Dramatik, und des Außergewöhnlichen.

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Nun darf nicht der Eindruck entstehen, Monster wäre nur deshalb sehenswert, weil er in Deutschland spielt. Im Gegenteil, das ist nur ein schönes Randdetail für deutsche Anime-Gucker. Die eigentliche Brillanz dieser Serie zeigt sich in den unzähligen verschiedenen Charakteren, die durch ihre reichhaltige Darstellung ungewöhnlich glaubwürdig und überzeugend erscheinen. Selbst vermutete Randfiguren spielen über die gesamte Serie hinweg eine entscheidende Rolle. Und ohne jemals in moderne Anime-Klischees zu verfallen, bietet dieser Thriller auch leichtere Elemente, ohne an Glaubwürdigkeit einzubüßen. Ob nun der Kleinganove Heckel, den Tenma zu Beginn trifft, oder der mutige Waise Dieter, der die kindliche Perspektive einbringt. Im Mittelpunkt steht allerdings Johann, der ehemals aus der Klinik verschwundene Junge, der nun als unheimlicher, charismatischer und unfassbarer Mörder einen geheimnisvollen Plan verfolgt. Und Tenma ist der einzige, der ihn aufhalten kann.

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Ich kann mich beim besten Willen an keine peinlichen Szenen erwinnern. Monster kommt gänzlich ohne Fan-Service aus. Klar sein sollte jedoch, dass es sich um eine Geschichte handelt, die sich an Erwachsene oder interessierte Jugendliche richtet. Das ergibt sich aus der realistischen Präsentation und der Thematik rund um NS-Vergangenheit und Eugenikexperimente.

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Wenn ich immer davon spreche, dass Anime wieder ins Mainstream-Fernsehen zurückfinden sollen, dann ist Monster einer der Kandidaten, die dafür am prädestiniertesten wären. Leider entstammt Monster noch der Vor-HD-Ära, weshalb die visuelle Qualität für das Gegenwartsfernsehen nicht mehr ideal ist. Davon ab jedoch erzählt Monster eine Geschichte, die gerade Anime-Neulingen einen leichten Einstieg ermöglichen sollte, einfach deshalb, weil sie so herrlich nüchtern erzählt wird, ganz ohne Moe, ohne Anime-Klischees, ohne peinliches Zeugs. Mit 74 Folgen ist Monster eine eher lange Serie, aber ich kann ohne Verklärung behaupten, dass man sich zum Ende hin nach noch viel mehr Episoden sehen wird. Die vertrauten Schauplätze, die tollen Charaktere, und das schaurige Aufarbeiten einer Vergangenheit des Faschismus im Nationalsozialismus, die ihre verdorrten Fänge bis in die Gegenwart schlägt, machen Monster zum Nervenkitzel höchster Qualität.


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