Kabedon – Wenn Liebe eskaliert

Aufgepasst, es geht um einen Klassiker der japanischen Medienlandschaft! Vielleicht ist der Begriff selbst nicht so geläufig wie etwa „Sushi“ oder „Karate“, aber jeder, der bereits den einen oder anderen Anime geguckt hat, hat ihn schon einmal in Aktion gesehen. Die Rede ist vom „kabedon“ – 壁ドン!

Die Wortbildung des Begriffs ist schnell geklärt, zumal wir uns erst kürzlich damit beschäftigt haben, was „dondon“ bedeutet. „Don“ bezeichnet die geräuschvolle Aktion eines Schlags. Als lautmalerischen Begriff kann man sich das eindrücklicher machen, indem man mal gegen eine Wand schlägt und dabei laut „don!“ ruft. Passt irgendwie, oder? Also … irgendwie. Und dann wären wir auch schon beim „kabedon“: „Kabe“ ist nichts anderes als das japanische Wort für „Wand“. Was könnte dann also „kabe“ + „don“ heißen? Richtig, es bezeichnet einen Schlag gegen die Wand.

Nun ist das alles schön und gut, aber einfach nur für den Schlag gegen die Wand bräuchte es keinen kulturell populären Ausdruck. „Kabedon“ ist deshalb auch nicht nur eine einfache Schlagaktion, sondern beschreibt einen spezifischen Kontext. Zwei Varianten existieren, für die „kabedon“ angewendet wird, allerdings ist das Schlagen gegen die Wand aus Frust die wesentlich unspektakulärere Option. Nein, wenn heutzutage vom „kabedon“ die Rede ist, dann wird damit der romantische Kontext gemeint.

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„kabedon“ geht auch andersherum

Ein Mädchen verlässt gerade das Klassenzimmer. Es möchte nach Hause, ganz wie jeder andere Schüler auch. Auf einmal steht ein Junge vor ihr, mit dem es bereits in der Vergangenheit ordentlich geknistert hat. Das Mädchen hält inne, der Junge nähert sich, sie mit dem Rücken zur Wand. „Ich muss mit dir reden …“, beginnt er, doch die Situation wird ihr zu peinlich, sie sagt: „Tut mir leid, ich muss nach Hause!“. Sie befindet sich bereits in der Weggeh-Bewegung, da schnellt der Arm des Jungen an ihr vorbei und knallt mit einem lauten „DON!“ gegen die Wand. Dicht über ihr ist das Gesicht des Jungen, dessen Arm eng an ihrem Körper vorbei liegt und den Weg versperrt. Sie starren sich gegenseitig in die Augen. Das Herz des Mädchens klopft jetzt wie wild. Und die Zeit steht scheins still – Das ist „kabedon“.

„Kabedon“ ist eine Aktion, die vor einigen Jahren vor allem in Shojou-Manga, also Manga für Mädchen, populären Einsatz fand. Üblicherweise geht der Wandschlag dabei vom männlichen Part aus, mittlerweile gibt es ihn jedoch in allen möglichen Variationen, was nicht selten auch für eine ordentliche Prise Humor sorgt. Die Intention hinter dem „kabedon“ ist die Eskalation einer romantischen Grundsituation, die oftmals einen Höhepunkt in der Entwicklung der Romanze zweiter Figuren markiert. Ähnlich wie die beiden Akteure dabei vor lauter Herzpochen beinahe vergehen, guckt auch der Leser/Zuschauer gebannt hin und fiebert mit. „Sagt er es ihr jetzt endlich-?!“, „wird sie ihn doch wieder zurückweisen?!“, und ähnliches mehr. Als romantisches Stilmittel in Anime und Manga ist der „kabedon“ eine etablierte Größe und funktioniert als Spannungselement hervorragend – Betonung auf „in Anime und Manga“.

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Netter Versuch – „kabedon“ bei Mädchen unter 1,50 m

Zwar bin ich durchaus dafür, mehr Elemente aus der Fiktion auch in der Realität umzusetzen, um für mehr Spaß und Spannung im Alltag zu sorgen; ein real ausgeführter „kabedon“ könnte allerdings auf unendlich viele Arten und Weisen komplett in die Hose gehen. Das fängt damit an, dass man den Wandschlag nicht bei einem Mädchen anwenden sollte, von dem man weiß, das es nichts von einem will, und endet damit, dass auch die größte Verehrerin erstmal doof gucken würde, was das denn nun soll. Und sollte sie selbst Manga-/Anime-Fan sein, bricht sie ohnehin in einen Lachanfall aus. Deshalb: Respekt an alle, die sich an einen echten, ernstgemeinten „kabedon“ wagen, aber seid gewiss, dass es mit allergrößter Wahrscheinlichkeit alles, nur nicht romantisch wirken wird.

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2 Gedanken zu “Kabedon – Wenn Liebe eskaliert

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