Hunter X Hunter (2011)

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Wenn man mit Dragon Ball, Naruto und One Piece aufwächst, ist man stets auf der Suche nach dem „next big thing“. Im Shounen-Bereich wird das immer schwieriger, zuviele kreativ schwächelnde Serien drängen auf den Markt. Bleach war noch ganz nett, doch das aktuell ausgestrahlte Black Clover fiel dem völligen kreativen Bankrott zum Opfer. Dabei gibt es da doch eine Shounen-Serie, die völlig zu Unrecht im Westen eher unbekannt ist. Einzig dem BANZAI!-Magazin haben wir zu verdanken, dass diese Serie auch hierzulande eine Fan-Basis aufbauen konnte. Die Rede ist von Hunter X Hunter.

Studio: Madhouse
Genre: Shounen/Seinen
Folgen: 148

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Der junge Held der Serie heißt Gon Freecs und hat eigentlich nur ein einziges Ziel: Er will unbedingt seinen Vater wiederfinden, der kurz nach seiner Geburt die Familie verlassen hat, um auf Abenteuerreise zu gehen. Aufgewachsen auf einer idyllischen Insel mitten im Meer ist Gon ein Naturbursche, der mit Tieren per du ist, flink und wendig in Baumwimpfeln umherkraxelt und auch mit seiner Angel umzugehen weiß. Dann kommt der entscheidende Tag: Das alljährliche Hunter-Examen steht bevor, und da er alt genug ist, macht er sich endlich auf die Suche nach seinem Vater – der ist nämlich selbst ein Hunter.

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Was so unschuldig beginnt, schlägt bald ins erbarmungslose Gegenteil um, spätestens beim Marathonlauf, zu dem alle Hunter-Kandidaten antreten müssen. Anfangs geht es lediglich darum, mit dem Prüfer Schritt zu halten. Dann aber geht es durch ein Dschungelgebiet, in dem, wie sich bereits bei der Ankunft herausstellt, unzählige gefährliche Tiere leben. Kandidaten sterben hier im Dutzend, aber nicht einfach irgendwie, sondern auf grausame Art und Weise: Ein riesiger Frosch versteckt sich im Boden und schnappt zu, sobald jemand über ihn hinweg läuft. Eine Schmetterlingsart bringt ihre Opfer in Trance und ernährt sich fortan über Wochen hinweg vom betäubten Mensch. Und dann ist doch noch der ominöse Kandidat Hisoka, der plötzlich aus schierer Blutlust heraus damit beginnt, Mitkandidaten zu töten.

Hunter X Hunter macht eine Sache entscheidend anders als die meisten Shounen-Serien: Kämpfe sind gefährlich. Soll heißen, in HXH gibt es selten bedeutungslose Schlagsequenzen, in denen die Teilnehmer wild aufeinander eindreschen. Stattdessen entsteht stets ein Gefühl für die Wucht und die Bedrohlichkeit, die ein Angriff mit sich bringt. Auch die Auswirkungen von erfolgreichen Treffern werden in aller Konsequenz dargestellt, was vor allem der starrköpfige Held desöfteren am eigenen Leib erfahren muss. Dieser Teil-Realismus in der Darstellung von Kämpfen findet seinen Höhepunkt in späteren Kapiteln, namentlich der Chimära-Arc, in der die Spannung so dicht gesponnen ist, dass man beim Zugucken kaum mehr zu atmen wagt. Das herausragende Audio-Design in Verbindung mit hochwertigsten Animationen hilft dabei natürlich. Einige Szenen sind so emotional, dass man spontan einen Oscar gegen den Bildschirm werfen möchte.

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Wie nun schafft es HXH, seinen Auseinandersetzungen solches Gewicht zu verleihen? Die zuvor genannte realistische Darstellung ist das eine. Das andere ist die, für eine Shounen-Serie unvergleichliche, extreme Logik, die an das Serien-eigene Power Up-System angelegt wird. Unmittelbar im Anschluss an das erste Kapitel der Geschichte wird das Nen-System eingeführt. Vereinfacht gesagt ist Nen für HXH das, was Ki für Dragon Ball, Chakra für Naruto, und Haki für One Piece ist. Im Unterschied zu all den anderen Serien macht HXH jedoch enorme Anstrengungen, sein Nen-System zu erläutern und innerhalb der weiteren Geschichte nachvollziehbar anzuwenden. Ich kann mich noch gut daran erinnern, dass auch Naruto anfangs viel erklärt hat (inspiriert von HXH), das jedoch spätestens mit dem Timeskip über Bord geworfen hat. HXH tut das nicht und erwirkt dadurch unzählige Situationen, in denen man als Zuschauer am Mit-Überlegen ist, wie nur ein Kampf durch den Held gewonnen werden kann – und nicht immer kann er das.

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Zuletzt möchte ich noch die erstaunliche Abwechslung zwischen den verschiedenen Kapiteln der Serie ansprechen. Es geht los mit dem Hunter-Examen. Weiter mit einem Hausbesuch bei einem Freund. Dann eine Mafia-Story, in der hauptsächlich verdeckt ermittelt wird. Und irgendwann findet man sich in in einem Survival-Adventure wieder. Und das sind nur einige Beispiele, denen man in HXH begegnet. Dank der Vielschichtigkeit der Helden wirkt jedoch nichts davon unpassend, sondern fügt sich wie ein Puzzle-Teil auf das vorangehende. Das Beste jedoch ist womöglich: Obwohl der Anime nicht die gesamte HXH-Geschichte erzählt (was unmöglich ist, da der Manga noch lange nicht abgeschlossen ist), endet er an einer Stelle, die sich wie ein richtiger, befriedigender Abschluss anfühlt.

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Mit peinlichen Szenen muss man sich in HXH nicht herumschlagen. Gibt es doch mal etwas, das nach Fan-Service aussieht, wird es kurze Zeit darauf auch schon wieder durch ein neues Info-Detail untergraben. Was man sich jedoch klar machen sollte: Die, teils nebensächliche, Grausamkeit geht über das hinaus, was man aus den anderen großen Shounen-Serien gewohnt ist. Gerade während der Chimära-Arc fragt man sich, ob das nicht mittlerweile schon Seinen anstatt Shounen ist.

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Hunter X Hunter ist eine der wenigen Anime-Serien, denen ich auf meiner MyAnimeList die volle Wertung vergeben habe. Für mich muss ein guter Anime vor allem eines bewerkstelligen, nämlich ein tolles, spannendes Abenteuer erzählen. Und das gelingt HXH so gut wie nur wenig anderen. Ich kann nur spekulieren, warum die Serie niemals in Deutschland ausgestrahlt wurde, doch vermutlich liegt es an ebenjenen ungewohnt grausamen Elementen, die für das deutsche TV im Rahmen einer Zeichentrickserie (ist ja für Kinder!!1 *seufz*) zuviel waren. Glücklicherweise hat KSM Anime die Serie lizensiert und plant die Veröffentlichung auf Blu-ray noch in diesem Jahr. Wer diese Empfehlung gelesen hat und auch nur leichtes Interesse gewonnen hat, sollte unbedingt reingucken.

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