Tsundoku – Backlog zur Meiji-Zeit

Wer bislang angenommen hat, Backlogs wären eine neumodische Erscheinungsform unter Videospielenthusiasten, der hat weit gefehlt. Bereits zur Meiji-Zeit kam ein Begriff auf, der das exakte Pendant binnen damaliger technologischer Rahmenbedingungen wiedergibt. Worum also geht es beim „tsundoku“ – 積ん読?

Was zur Meji-Zeit (1868-1912) noch als Slang galt, hat sich bis in die Jetzt-Zeit hinein etabliert. „Tsundoku“ setzt sich zusammen aus zwei Begriffen. Ersterer ist „tsunde oku“ und setzt sich wiederum aus zwei Wörtern zusammen. „Tsunde“ heißt dabei soviel wie „anhäufen“, „oku“ ist das japanische Gegenstück zum Englischen „to put“, kann dementsprechend „legen, stellen, setzen“ bedeuten. „Tsunde oku“ meint konsequenterweise, dass etwas an eine bestimmte Stelle gelegt und angehäuft wird. Der zweite Begriff ist „dokusho“, die japanische Übersetzung für „das Lesen“.

kanji_tsundoku_02

Was also heißt „Tsundoku“ nun? Wie so oft im Japanischen, kann man sich den Rest durch ein wenig logisches Denken zusammenreimen: „tsunde oku dokusho“ → „anhäufen und hinlegen, was man liest“. Na klar: „Tsundoku“ beschreibt, dass man Bücher erwirbt, sie aber, anstatt zu lesen, einfach nur bei sich anhäuft. Es geht also um ein den meisten von uns bekanntes Problem, nämlich, dass man einfach viel zuviele Bücher hat, die man noch lesen will, aber irgendwie doch nicht dazu kommt. Wahrlich eine Krux.

Gamer sind mit dem Konzept des „Tsundoku“ jedoch noch viel vertrauter als heutige Bücherwürmer, wurde der englische Begriff „Backlog“ doch vor allem im Videospiel-Bereich populär, um zu beschreiben, dass man oft noch Dutzende an Spielen herumliegen hat, die gespielt werden müssen, weil ständig neue Software erscheint, die ihrerseits Vorrang erhält. Gerade Steam-Nutzer kennen die Problematik ebenfalls, häufen sich die Spieleeinträge während der regelmäßig abgehaltenen Sales-Events gefühlt ins Unendliche.

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Seid ihr ebenfalls vom „tsundoku“ betroffen? Ich persönlich habe glücklicherweise so gut wie keine Videospiele, die auf ihren Einsatz warten und ungespielt herumliegen. Dafür besitze ich ganz altmodisch einen schamvollen Stapel Bücher, die schon -viel zu- lange darauf warten, gelesen zu werden, wie auf dem Bild dieses Artikels zu sehen ist. Ja, ich les das noch. Bestimmt. Irgendwann. J-ja …

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