Z wie Zorro

Ehe die Stilblüten politischer Korrektheit ihre Fänge in unschuldige, allein dem zwischenmenschlichen Spaß dienende Gepflogenheiten gestoßen haben, wurde der jährliche Fasching von zehntausenden kleiner Indianer und Cowboys dominiert, die mit laut knallenden Pistolen (gibt es heute immer noch, nur dürfen die jetzt nicht mehr laut knallen!) freudestrahlende gespielt haben. Es gab da aber noch ein populäres Kostüm, das weithin beliebt war: Zorro!

Wer brauchte schon Batman, wenn er in seiner Kindheit Zorro haben konnte! Umhang, check. Maske, check. Enterhaken? Peitsche! Und dazu wird mit einem coolen Degen gekämpft! Ganze 52 Folgen umfasst die Anime-Serie „Z wie Zorro“, die wohl maßgeblich an der Beliebtheit des Kämpfers für Gerechtigkeit beteiligt war – zumindest fällt mir wahrlich nicht ein, auf welche Weise ich andernfalls als 10-jähriger Steppke mit ihm in Kontakt gekommen sein könnte. Die in italienisch-japanischer Zusammenarbeit produzierte Serie hat übrigens eine Veröffentlichung der ganz besonderen Art hinter sich: 1995 erfolgte die deutsche Erstausstrahlung auf RTL2 – ein gutes Jahr VOR der japanischen Erstausstrahlung!

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Die Geschichte vom Streiter für Gerechtigkeit ist simpel wie klassisch. Nach jahrelangem Studium kehrt der 18-jährige Don Diego de la Vega aus Spanien zurück in seine Heimat Kalifornieren, die als spanische Kolonie geführt wird. Genau da liegt auch die Krux: Das spanische Militär waltet mit Willkür und Grausamkeit über die Bevölkerung. Mal wird Wein konfisziert, mal wird ein Mädchen zur Heirat gezwungen, und nur zu oft werden ungerechte Hinrichtungen durchgeführt (wenn es davon denn „gerechte“ geben könnte). Diego, der der Sohn des reichen Don Alejandro de la Vega, kann den verbrecherischen Machenschaften nicht untätig zusehen und tut … nichts. Denn gerade das Image des faulen, feigen Nichtsnutzes Diego verhilft ihm zum perfekten Alibi, wenn er als starker, mutiger Zorro auftritt.

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Glücklicherweise ist die Serie derzeit bei einem beliebten Streaming-Service verfügbar, sodass ich bereits mitten im Rewatch bin – zuletzt habe ich die Serie als kleines Kind gesehen! Und Tatsache: Z wie Zorro macht auch heute noch richtig Spaß. Das liegt weniger an den einzeln stehenden Abenteuern und den sehr einfachen Konflikten, als vielmehr an den charismatischen Figuren und den bombastischen Action-Szenen. Es reicht, sich das Opening der Serie anzugucken, um einen guten Eindruck für die Wucht und Dramatik der Kampfszenen zu erhalten, die stimmungsanheizende Musik tut ihr Übriges. Diego selbst ist sympatisch und sieht als Zorro einfach irre cool aus. Mit seinem kleinen Adoptivbruder Bernard, der als „kleiner Zorro“ mitwirkt, gibt es einen aufgeweckten Sidekick, und Love Interest Lolita, die Quasi-Verlobte Diegos, ist auch stets involviert, indem sie sich als eine von wenigen Personen den bösen Machenschaften der Armee lautstark entgegenstellt. Auch auf deren Seiten hat es starke Persönlichkeiten, die zwar ein ums andere Mal von Zorro auf die Nase bekommen, für zuvor genannte wuchtige Schwertduelle aber immer zu gebrauchen sind. Wie bei vielen Anime von früher, die im deutschen TV liefen, fällt positiv auf, dass unangenehme Themen nicht unter den Teppich gekehrt werden, so etwa die Szene, in der ein mutiger, sympathischer Zeitungsherausgeber von einem Attentäter erschossen wird.

Als Mischung aus Batman und Kaitou Kid mit Degen macht Z wie Zorro auch heute noch richtig Spaß. Die Folgen sind kurzweilig, die Charaktere unterhaltsam und das audiovisuelle Erlebnis so gut wie es damals eben ging, und damit auch heute noch annehmbar. Eigentlich schade, dass man so lange schon nichts von Zorro gehört hat. Wie wär’s, Japan, Zeit für ein Remake?


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