Die große Beichte: Ich bin gar kein Zelda-Fan

Woah, woah, woah! Steile These, oder? Aber mal langsam: Seit ich irgendwann um 1995 herum „Link’s Awakening“ auf dem GameBoy eines Kumpels gespielt hatte, war ich der berühmten Videospielreihe von Nintendo verfallen. Es sollte noch etwas dauern, bis ich selbst ran durfte, doch schließlich ging es weiter mit Ocarina of Time, Majora’s Mask, The Wind Waker, Twilight Princess, Skyward Sword und zuletzt Breath of the Wild. Und da will ich gar kein richtiger Zelda-Fan sein?


Was macht einen Fan der The Legend of Zelda-Serie denn überhaupt aus? Nun kann man den Begriff freilich breiter fassen und sagen „du befasst dich viel mit der Serie? Dann bist du ein Fan“, aber das ist mir persönlich zu wischiwaschi. Fan-Sein bedeutet für mich, dass man die Sache selbst auch mag. Ein Fußball-Fan sollte Fußball-Spielen gut finden, ein Formal 1-Fan gerne Auto fahren und ein „Foodie“ (danke, ihr Hipster, für diese Non-Bezeichnung!) gerne essen. Entsprechend sollte ein Zelda-Fan in meinen Augen gerne Zelda-Spiele spielen wollen. Genau hier aber liegt die Krux begraben: Das war bei mir nur selten der Fall.

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The Legend of Zelda: Ocarina of Time war grandios. Verdienterweise bis heute „bestes Videospiel aller Zeiten“ betitelt, war es ein Meilenstein der Spieleentwicklung, der die gesamte Industrie geprägt hat. Das mutige, völlig neue Gameplay in Verbindung mit einer atmosphärischen, mitreißenden Geschichte und dabei auch noch tolle Grafik – OoT war das perfekte Gesamtpaket, als es 1998 in die Läden kam. Doch dann ging es „los“: Majora’s Mask bedrängte mit einem allzeit drohenden Zeitlimit, das entspannte Erkunden der Spielwelt ist unmöglich. Wind Waker enttäuschte (zum damaligen Zeitpunkt) mit der ‚kindischen‘ Cel Shading-Grafik und einer leeren, öden Spielwelt. Twilight Princess hatte zwar eine durchaus spannende Story, war aber in jeglicher Hinsicht befreit von den industrie-führenden Spielelementen, die die Zelda-Serie so herausragend gemacht hatte. Skyward Sword schließlich war der Tiefpunkt der Franchise: Eine Oberwelt gab es nicht mehr, stattdessen war das gesamte Spiel ein einziger permanenter Dungeon – und die Dungeons waren schon immer der unangenehmste Teil der Zelda-Spiele!

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Richtig gehört: Die Dungeons/Tempel/Verliese/Paläste, die von den meisten Zelda-Fans als das Highlight der Serie schlechthin gefeiert werden, sind für mich der Teil der Spiele, der am wenigstens Spaß macht. Ich will keine konstruierten, game-y Puzzleräume lösen. Nein, ich will die Schwimmflossen erlangen, um über den Fluss zu gelangen. Ich will den Enterhaken einsetzen, um über die Schlucht zu kommen. Ich will Feuerpfeile finden, um einen Eis-verschütteten Zugang freizulegen. Ich will Fische fangen, damit mich Lord Jabujabu einlässt. Ich will mehr Ausdauer, um endlich diesen einen Berg erklimmen zu können. Und warum das alles? Weil ich sehen will, was danach kommt! Das Erkunden einer interessanten, spannenden, natürlichen Spielwelt ist für mich das allerschönste in Zelda. Und deshalb ist Breath of the Wild das erste Zelda-Spiel seit Ocarina of Time, das ich wirklich toll fand.

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Es mag absurd erscheinen, wenn ich behaupte, ich sei kein Zelda-Fan. Wer mich in den letzten zwei Jahrzehnten über The Legend of Zelda spekulieren hat sehen, der weiß, mit wieviel Energie und Hingabe ich mich dieser Franchise gewidmet habe. Unzählige lange Foren-Postings, mehrseitige Essays, gar ganze Blogs hat meine Begeisterung hervorgebracht. Nur: Begeisterung wofür eigentlich? Eben NICHT für Zelda, wie es war. Sondern für Zelda, wie ich es HABEN WOLLTE. Es wäre gar kein Problem, seitenlang zu erörtern, was ich an all den Zelda-Spielen nach OoT schlecht fand. Klar, irgendwie Spaß gemacht haben diese Spiele schon, ich bin ja kein Masochist (glaube ich?). Aber sie haben Spaß gemacht auf dem Niveau, auf dem mir auch viele andere Spiele Spaß gemacht haben, ohne, dass ich plötzlich um drei Uhr nachts darüber schreiben musste, wie toll doch wäre, wenn die Gegner bedrohlicher wären und die Dungeons in beliebiger Reihenfolge angegangen werden könnten und vieles andere. Das war meine Lieblingsbeschäftigung: Davon zu träumen, was The Legend of Zelda sein könnte!

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Kritiker werden sagen „lass doch Zelda Zelda sein“, aber das war nie möglich. Es gab damals in der gesamten Videospielindustrie keine andere populäre, fortgesetzte Franchise, die die vielversprechende Basis von Zelda besaß. Ich will kein Dark Souls, in dem es nur um’s Überleben und Kämpfen geht. Andere sogenannte Action-Adventures wie Darksiders hatten ebenfalls Kämpfe im Vordergrund, mal abgesehen von der abstoßenden Ästhetik. Ich wollte, und will nach wie vor, ein Videospiel, das den Begriff „Abenteuer“ einfängt. The Legend of Zelda kommt dem am nächsten. Es bedarf eines stimmigen Artstyles, dem Sinn für wahre Kreativität, und vor allem: Interaktivität! Das ist der Punkt, an dem die gesamte Videospielindustrie abseits Nintendo (mit wenigen Ausnahmen) zu kapitulieren scheint. Je mehr ich als Spieler selbst tun darf, desto mehr fühle ich mich ins Spiel versetzt, entsprechend stärker ist das Abenteuergefühl. Wenn ich hingegen für viele Aktionen nur einen kontextsensitiven Button drücke, der eine gescriptete Sequenz aktiviert, sieht das vielleicht „cool“ aus, gibt aber keinerlei spielerische Befriedigung. Ich spiele ein Videospiel, zum Zuschauen hätte es ein Film auch getan.

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Deshalb ist das 2017 erschienene Breath of the Wild die Beinahe-Erfüllung all meiner Träume. Wer Lust und Zeit hat, kann sich einmal einen Blog durchgucken, den ich 2010 im Vorfeld von Skyward Sword erstellt habe – gut 100 Wünsche/Hoffnungen, für dich ich damals beinahe schon gebetet hatte. Nichts davon wurde erfüllt, bis zum Release des Switch-Abenteuers von Link. Und deshalb kann ich zum jetzigen Zeitpunkt nur sagen: Ich bin ein Breath of the Wild-Fan. Ob ich ein Zelda-Fan bin? Vielleicht dann, wenn das nächste Zelda da weitermacht, wo BotW aufhört und mit weiteren großen Neuerungen überraschen kann. Was genau ich mir erhoffe …. dazu wird es bestimmt einen weiteren Blog-Eintrag geben – vom größen Nicht-Zelda-Fan der Welt.

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