JLPT -Tag der Prüfung

Der große Tag ist vorüber, die JLPT-Prüfung vom 2. Dezember 2018 ist Vergangenheit. Wem diese Abkürzung nichts sagt: Im Rahmen des „Japanese Language Proficience Tests“ können Japanisch-Lernende zweimal im Jahr eine weltweit parallel stattfindende Prüfung ablegen, die die eigenen Japanischkenntnisse offiziell konstatiert. Im deutschsprachigen Internet findet man zwar Infos zu den groben Eckdaten der Prüfung, wie selbige aber konkret vor Ort abläuft, dazu konnte ich selbst im Vorfeld nichts oder nur wenig finden. Wer also schon immer wissen wollte, was am Prüfungstag passiert, der sollte nun weiterlesen.

Zuallererst: Die eingangs erwähnten Rohdaten zum Test werde ich nicht näher beschreiben, dazu reicht der vorhandene Wikipedia-Eintrag vollends aus. Knapp zusammengefasst: Es gibt beim JLTP fünf Schwierigkeitsstufen, von N5 (einfach) bis N1 (schwierig). Jede dieser Stufen setzt ein bestimmtes Wissensvolumen an Vokabeln, Kanji und Grammatik voraus, wobei keine offizielle Liste an Vokabeln existiert, sondern sich einigermaßen schwammig über Formulierungen wie „Begriffe aus Alltagssituationen“ definiert wird. Das kann beim Lernen schon mal beklemmend sein, weil man ein wenig ins Ungewisse hinein lernt, andererseits will man ja nicht nur eine Prüfung bestehen, sondern tatsächlich die japanische Sprache beherrschen – und die ist nunmal nicht starr.

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Die Dezemberprüfung konnte in Berlin, Düsseldorf und Stuttgart absolviert werden – letztere Stadt war für mich als Bayer südlich von München der nächste Ort. Über die Anreisestrapazen will ich mich hier nicht allzu sehr auslassen, nur soviel für alle, die ähnlich weit weg wohnen und via öffentliche Verkehrsmittel reisen: Nehmt euch ein Zimmer und reist am Vortag an! Den ersten Zug um 5:24 Uhr nehmen, um nach 6 Stunden Fahrt in Stuttgart anzukommen, um dann den ganzen Tag über Denkleistung zu liefern – puh! Nie wieder. Dann lieber das Geld für’s Zimmer aufbringen. Aber das nur am Rand.

Los ging es offiziell um 12:45 Uhr mit einer kurzen Begrüßung einiger der Organisatoren. Da ich deutlich früher im weitläufigen Eingangsbereich war, war ich erstaunt, wieviele Prüfer anwesend waren. Das erklärte sich allerdings sogleich, denn: Im Anschluss an die Begrüßung wurden die Teilnehmernummern aufgerufen (immer eine Bereichsangabe, bspw. „“10035 bis 10050“), woraufhin man nach vorne durchging (umringt von einer Masse von sicher 300 Teilnehmern) und dort von seinem fast-persönlichen Prüfer empfangen wurde. Anstatt wie erwartet in größeren Gruppen wurden jeweils Gruppen von 10-15 Teilnehmern gebildet, die sich dann in einen jeweils eigenen Prüfungsraum begaben, der auch als reguläres Klassenzimmer fungieren hätte können.

Im Prüfungsraum angekommen standen bereits Nummernschilder auf den Tischen, den Teilnehmernummern entsprechend – freie Sitzwahl ist also nicht. Meine beiden Prüfer, eine Japanerin und ein Deutscher, waren freundlich, hielten sich aber natürlich streng an die Vorgaben des Tests. Wer hier Nachsichtigkeit erwartet, hat Pech: Klingelt das Handy während der Prüfung: Durchgefallen. Auf Toilette gehen? Nein. Trinken? Nein. Auf dem Tisch dürfen liegen: Bleistifte, Spitzer, Radiergummi. Das war’s. Oh, der Test-Voucher mit Teilnehmernummer liegt noch mit da. Man erhält einen Papierbogen, in dem drei Blätter zum Abreißen enthalten sind. Das sind die Antwortblätter. Anders als man es aus deutschen Klausuren gewohnt ist, wird hier nicht auf dem Fragenblatt geantwortet. Stattdessen stehen auf dem Antwortblatt lediglich Aufgabennummer, dann „a, b, c, d“ und jeweils ein Kreis. Will man bspw. Die Option „a“ von Aufgabe 1 antworten, malt man den dazugehörigen Kreis aus. Voll ausmalen, nicht zu schwach, nicht darüberhinaus, und aufpassen, dass man nicht in der Zeile verrutscht! Die Prüfer lasen die exakten Prüfungsbedingungen vor, ehe es dann um Punkt 13:30 Uhr mit dem ersten Teil des JLPT losging!

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Jede Schwierigkeitsstufe hat ein paar Eigenheiten, ich beziehe mich auf die N3-Prüfung. Im Großen und Ganzen läuft aber alles ähnlich ab, nur mit dem Unterschied, dass N2 und N1 nur zwei Prüfungsteile beinhalten, die anderen Stufen drei. Mit Vokabeln ging es los, 30 Minuten. Kanji erkennen, Hiragana einem Kanji zuordnen, das am besten passende Wort einem Satz zuordnen. Hier geht es wirklich schlicht darum, seine Kanji gepaukt zu haben. An andere Selbstlerner wie mich sei herangetragen: Praxisnahe Kanji aus Tweets, Anime, Spielen und News-Artikeln zu lernen ist zwar für die echte Anwendung nützlich, für den JLPT sollte man aber auch tatsächlich den dafür verlangten Wortschatz gelernt haben. Meine Güte, „umeru“ … wird nie wieder vergessen >_<

40 Minuten Pause vergingen, dann musste man sich dem Grammatikteil stellen – und der hatte es in sich. Hier zeigte sich, wie sehr man in der Sprache angekommen ist, denn ohne halbwegs zügiges Lesevermögen auch längerer Texte ging hier nichts mehr. Als Nicht-Genie bin ich der Meinung, dass es zeitlich machbar war, allerdings beeinträchtigt durch den Umstand, dass keine Uhr im Raum war. Das ist überhaupt ein unstetes Element des JLPT: In unserem Fall waren keine Uhren erlaubt. Der Prüfer sagte lediglich 5 Minuten vor Ende Bescheid, was natürlich wenig hilfreich ist, wenn man längere Texte hat, auf die man sich konzentrieren will. Andere JLPT-Teilnehmer berichten, dass ihnen bei der Hälfte der Zeit Bescheid gegeben wurde, andere hatten eine Uhr im Raum, wieder andere durften eigene Uhren verwenden. Hier sollte sich das JLPT-Gremium wohl um mehr Konformität bemühen, idealerweise zugunsten der Teilnehmer. Der Hauptteil des Grammatiktests bestand aus erwähnten längeren Texten (etwa jeweils eine halbe Seite), zu denen sich je vier bis fünf Fragen anschlossen mit den bekannten a-, b-, c- und d-Optionen. Bloßes Stichwort-Heraussuchen klappte hier eher bedingt, da die Antworten wirklich so formuliert waren, dass man den Textinhalt verstanden haben musste. Neben den Textaufgaben gab es natürlich auch ein paar reine Grammatikaufgaben, bei denen man die korrekte Verbform wählen oder die Reihenfolge der Wörter innerhalb eines Satzes feststellen musste. 70 Minuten später war schließlich auch dieser Teil der Prüfung geschafft.

Es vergingen weitere 40 Minuten, eher es ans gefürchtete Hörverständnis ging. Tatsächlich, und ich will niemandem Angst machen :D, war dieser Prüfungsteil sogar schlimmer als erwartet. Ich konnte während der Pause im Gang den Hörverständnistest der N2-Teilnehmer ein bisschen mitverfolgen. Da dachte ich mir noch „oh, das ist gar nicht so schnell. Da das Sprechen beim N3 langsamer sein soll, dürfte das kein Problem werden!“. Tja, ähm, von wegen. Kurzum, die Geschwindigkeit der Audioaufnahmen im N3-Hörverständnis war bestenfalls marginal niedriger als die des N2. Den Unterschied macht hier wohl eher das Vokabelvolumen aus. Was aber wirklich Hardcore war: Der gesamte Hörverständnistest findet in einem Rutsch statt! Die CD, auf der die Gespräche aufgenommen sind, wird gestartet und anschließend 40 Minuten lang ohne Unterbrechung laufen gelassen. Während diverse Alltagsdialoge gesprochen werden, muss man auf dem Aufgabenblatt die Antwortoptionen durchlesen, um dann im Anschluss an den Vortrag gleich im Antwortblatt die gewünschte Option auszumalen. Hier blieb wirklich wenig Zeit, sich groß Gedanken zu machen. Hören, verstehen, lesen – alles kam zusammen. ABER: Es ist trotz allem gut machbar. Wenn man den Grammatikteil zeitlich hinbekommt, wird man zeitlich auch hier gut mitkommen. Die größten Schwierigkeiten lagen anderswo: Zum einen waren die Dialoge wirklich „tricky“ gestellt, d.h. es kamen im Gesprochenen alle Antwortoptionen vor, sodass es nicht so simpel war, einfach die Antwort zu wählen, die man gehört hat – denn man hört ja alle. Echtes Verständnis des Gesprächs ist gefordert. Zum anderen setzte jetzt körperliche Erschöpfung ein. Dieser dritte Teil des JLPT begann um 16:30 Uhr, draußen war es bereits finster. Man hat all die anderen Anstrengungen hinter sich, und dann soll man 40 Minuten nonstop hochkonzentriert zuhören? Puh! An der Stelle entpuppte sich der JLPT auch als Frage der mentalen Ausdauer.

Und dann war alles vorbei. 17:10 Uhr, die CD hat ihr Programm abgespult, man verabschiedet sich und gut ist (oder auch nicht, aber das erfährt man erst in gut zwei Monaten).

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Ich will ganz ehrlich sein: Ich glaube, dass es bei mir nicht ganz gereicht hat, aufgrund vorher erwähnter Vokabeldefizite. Aber die Hauptsache ist, das Ganze einmal miterlebt zu haben. Jetzt weiß ich, wo ich stehe, was ich kann, was mir noch fehlt, und ich bin hoch motiviert, weiter zu lernen. Das mit den Vokabeln ärgert mich, andererseits bin ich ein bisschen stolz, wie zügig ich die längeren Texte lesen konnte, womit ich so nicht gerechnet hatte. Natürlich nimmt jeder aus ganz eigenen Gründen am JLPT teil; mir geht es nicht ums Bestehen eines Tests, sondern die Fähigkeit der japanischen Sprache, insofern bin ich zufrieden mit der gemachten Erfahrung. Das monatelange Lernen zeigt Früchte! Wer Japanisch lernt und nicht gerade studiert, sollte sich nicht scheuen, mitzumachen, denn allein zu wissen, dass man auf einen bestimmten Tag hin lernt, motiviert zum dranbleiben. Und von jeglicher Sachlichkeit mal fernab: Es fühlt sich auch irgendwie an, als wäre man Teilnehmer der Hunter-Prüfung aus Hunter X Hunter, wenn man in einem Saal mit 300 Gleichgesinnten steht. Kurzum: JLPT ist schon cool.

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