Peter Pan

Dem Motto „Huch, das war ein Anime?“ folgend kommt auch diese Zeichentrickadaption von Peter Pan daher. Bis zu dieser Serie war Peter Pan für mich eine reine Disney-Figur in einer Disney-Geschichte mit Disney-Stimmung und Disney-etc.. Umso spannender war es, zu sehen, wieviel mehr das Abenteuer rund um Peter, Wendy, Glöckchen und Co. zu bieten hatte. Satte 41 Folgen sollten die Welt von Nimmerland in ungewohntem Detail zeigen.

Ausnahmsweise lagen zwischen japanischer und deutscher Erstausstrahlung gar nicht mal soviele Jahre: 1989 erschien die Serie im japanischen Fernsehen, bereits 1992 kam sie dann bei uns auf RTLplus. Wichtig ist vor allem, dass Peter Pan no Bouken (so der Originaltitel, dt.: „Peter Pans Abenteuer“) eine Serie aus der World Masterpiece Theater-Reihe ist, an der unter anderem Hayao Miyazaki (Ghibli) mitgearbeitet hat und zu der unzählige der bekanntesten Anime meiner Kindheit gehören. Zu fast allen wird es hier auf e-Sekai.de einen Artikel geben müssen, einen zu „Die Kinder vom Berghof“ gibt es bereits, aber auch Titel wie Heidi, Rascal der Waschbär oder Anne mit den roten Haaren kennt fast jeder, der in den 90ern aufwuchs.

In den Grundzügen dürfte den meisten von euch die Geschichte Peter Pans aus der Feder von J. M. Barrie bekannt sein. Drei Geschwister werden vom fliegenden Jungen Peter Pan nach Nimmerland/Niemandslands geführt, begegnen der Fee Glöckchen (bei Disney „Tinkerbell“) und den verlorenen Jungs, und geraten immer wieder mit Kapitän Hook und dessen Piratenbande aneinander. Alles das gibt es auch in dieser TV-Zeichentrickverfilmung, allerdings geht man einen bedeutenden Schritt weiter: Die Serie nimmt sich Zeit, das Leben auf Nimmerland darzustellen und wie es sich entwickelt. Anders als im Disney-Pendant, das einem konkreten roten Faden folgt, geht es im Anime um das schrittweise Erkunden dieser fremden Welt und ihrer skurrilen Bewohner. Dank der drei unterschiedlichen Geschwister geschieht dies aus immer wieder wechselnden Perspektiven. Während die reife Wendy in die Rolle der schützenden Mutter schlüpft, versucht ihr jüngerer Bruder John sich ein ums andere Mal vor den anderen Jungs zu beweisen, vor allem aber dann vor Tigerlily, in die er sich verliebt. Und der kleine Michael hat einfach Spaß daran, allem Interessanten nachzugehen und stolpert dabei nur allzugern in neue Gefahren.

Was die Serie für mich so besonders macht, ist die unheimliche, für eine solche Geschichte untypische Stimmung, die immer wieder erzeugt wird. Das liegt nicht zuletzt am fühlbaren Ghibli-Touch, den man vor allem im Design der Figuren erkennen kann. Tatsächlich erzählt der Anime erstaunlich oft Geschichten, die die Helden in echte Lebensgefahr bringen. Nein, keine Sorge, auch in dieser Peter Pan-Umsetzung gibt es keine grausamen Sterbeszenen, aber die Bedrohung für die Helden ist dennoch da. Eine meiner Lieblingsfolgen etwa ist „Der Regenriese“: Peter und Co. müssen eine Information vom Gedächtnisvogel erhalten, der der Legende nach auf dem Kopf des Regenriesen lebt. Das Problem: Besagter Regenriese erscheint nur, wenn es drei Tage in Folge regnet – und das hat es, soweit Peter sich erinnern kann, noch nie. Irgendwie gelingt es dann doch, den Riesen erscheinen zu lassen, aber das ist noch nicht alles: Wer den Riesen (quasi ein wandlender Berg) nicht verlässt bevor der Regen aufhört, verschwindet mit dem Riesen für immer. Richtig gruselig, gerade für eine Peter Pan-Zeichentrickserie. Derlei Momente gibt es immer wieder, gerade auch wenn Hexenkönigin Sinistra auftaucht, die wesentlich bedrohlicher wirkt als ewiger Verlierer Käpt’n Hook.

Neben der ungewohnt düsteren Geschichte sind es auch die hervorragenden Animationen, die die Action und Bewegung der Charaktere so richtig eindrücklich in Szene setzen. Nie hat es mehr Spaß gemacht, Peter Pan beim freien Fliegen durch die Luft zuzugucken. Aber auch Kampfszenen mit Hook oder diverse Fluchtszenen der verlorenen Jungs sind stets visuell greifbar umgesetzt. Wenn ich zum Abschluss einen kleinen Gamer-Vergleich anstellen dürfte: Disneys Peter Pan ist zu Peter Pan no Bouken wie The Legend of Zelda: A Link to the Past bevor und nachdem man die Schattenwelt erschließt – ein echtes Meisterabenteuer.

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