The Vision of Escaflowne

Isekai-Anime sind, das dürfte kaum einem Anime-Fan entgangen sein, seit einigen Jahren schon der „heiße Scheiß“, also über alle Maße beliebt (und „über alle Maße“ trifft es gut, guckt man sich an, welche Stilblüten dieses Genre verbrochen-ähm, hervorgebracht hat). Oftmals wird dabei vergessen, dass Isekai-Geschichten, also Geschichten binnen derer der Held bzw. die Heldin in eine andere Welt transportiert wird, gar nicht so neu sind. Eine dieser Pionierserien ist The Vision of Escaflowne und zugleich ein Anime aus der Kategorie „Natsukashi~“, der schon immer als Anime vermarktet wurde, auch damals bei seiner Erstausstrahlung im deutschen Fernsehen und damit jenseits der früher erschienenen Anime-Serien, die man gar nicht als Anime wahrgenommen hat (bpsw. Heidi oder Nils Holgersson) positioniert ist.

Hitomi, eine 15-jährige Schülern, befindet sich beim Lauftraining in der Schule als wie aus dem Nichts inmitten einer Lichtsäule eine Person auf dem Platz erscheint – unmittelbar gefolgt von einem Drachen! Ein junger Mann stellt sich dem Monster und besiegt es, nur um in derselben Lichtsäule wieder zu verschwinden. Und Hitomi zieht es mit hinein! Die japanische Schülerin sieht sich fortan in einer völlig unbekannten Welt wieder, eine Welt voller Ritter, magischer Wesen und, wie noch sehr wichtig sein wird, Mecha. Der junge Mann entpuppt sich als Van, Thronprinz des Reiches, in dem er lebt. Hitomi wird freundlich aufgenommen, dennoch ist die Verzweiflung groß: Wie nur kommt sie wieder nach Hause?!

Das Besondere an der Geschichte von Vision of Escaflowne ist vielleicht erst einmal, dass sie gar nicht so besonders ist. Die Fantasy-Welt namens Gaia könnte aus einem x-beliebigen SNES-Rollenspiel stammen, Ritter, Könige, Drachen usw. ebenfalls. Allerdings, und das ist entscheidend, ist das typische Szenario derart hochwertig umgesetzt, dass es der Serie gelingt, es für sich selbst zu beanspruchen und dem Label „bekanntes Einerlei“ entgeht. Doch einfach nur eine gute Fantasy-Geschichte ist Escaflowne nicht, tut es sich schließlich vor allem im Design stark hervor. Tatsächlich derart stark, dass bis heute jeder, mit dem ich auf die Serie zu reden komme, sofort entgegnet „ah, die Serie mit den langen Nasen, oder?“ Und lang sind sie, die Nasen!

Nobuteru Yuuki, Charakter-Designer bei Studio Sunrise, entschied sich sogar bewusst für den eindrücklichen Look der Figuren, um sich vom damals einflussreichen Neon Genesis Evangelion ästhetisch abzusetzen. Und das ist ihm gelungen, denn bis heute gehört The Vision of Escaflowne für mich zu den erinnerungswürdigsten Anime-Serien meiner Kindheit, egal ob es nun meine Lieblingsserie war oder nicht. Escaflowne gehörte einfach dazu, ob nun auf dem Cover einer Animania-Ausgabe oder im Programm von MTV. Dort nämlich wurde der Abenteuer-Anime in Deutschland ausgestrahlt.2002 war es soweit, schlanke 6 Jahre nach der Erstausstrahlung in Japan. Wer es miterlebt hat, der weiß, dass, warum auch immer, die „bunteren“ Anime nachmittags auf RTL2 liefen, Serien wie Escaflowne auf MTV und Viva, und das „harte“ Zeug kam in den Anime Nights auf VOX um Mitternacht (gut, warum „das Zeug“ nicht nachmittags lief, ist klar hust).

Aus der Masse hervorragend war auch die Verbindung von Fantasy mit Scifi. In der Welt von Gaia gibt es sogenannte Guymelefs, so der Name der Mecha-Kampfmaschinen, die von einem Piloten gesteuert werden. Anders als in vollwertigen Mecha-Serien wie Gundam können die Guymelefs aber weder fliegen noch schießen, stattdessen sind sie eine Art Level-Up für Ritter, die in ihre Mecha steigen und dann mit riesigen Schwertern einander duellieren. So jedenfalls der faire Gedanke. Die Bösewichte aus der Nation Zaibach besitzen nämlich überlegene Technologie, die ihren Guymelefs nicht nur grausame, verschießbare (und wieder einholbare) Klauen verpasst haben, sondern sich auch unsichtbar machen können. Selbst der namensgebende Spezial-Mecha „Escaflowne“ hätte dagegen Schwierigkeiten und nur dank Hitomis mysteriöser Fähigkeit, mittels Pendel Dinge und Personen aufzuspüren, gelingt Thronprinz Van immer wieder der Gegenangriff.

Damit erzählt „The Vision of Escaflowne“ nicht nur eine gute Isekai-Geschichte, sondern auch vom Kampf des technologischen Fortschritts und dessen Machtmissbrauch. Und zwischen alledem ist genug Platz für viel Romantik, verursacht von der anfangs nur niedlichen, bald aber überaus tatkräftigen Heldin Hitomi. Die Animationen dieses fantastischen Abenteuers sind auch heute noch schön anzusehen. Und wenngleich ich als echter Weeb (wir sagen schon gar nicht mehr „Otaku“!) jegliche unnötige Veränderung heute nervig fände, ist der eigens für die deutsche Version neugewählte Opening-Song „People“ der Techno-Band „Dax Riders“ für mich geradezu untrennbar mit Escaflowne verknüpft. Unglaublich, wieviel Nostalgie allein in dieser Anime-Serie steckt – wird mal Zeit für einen Rewatch, oder?


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