Marco

Häufig beginne ich diese nostalgischen Artikel aus der Kategorie „Natsukashi“ mit einer Formulierung a la „ein Anime aus einer Zeit bevor man wusste, was Anime überhaupt sind“. Im Falle von „Marco“ muss ich einen Schritt weiter gehen und sagen „ein Anime aus einer Zeit bevor ich geboren war“. Tatsächlich erschien die herzzereißende Serie um den kleinen Marco bereits 1980 – in Deutschland, BR Fernsehen sei Dank! Trotz des Alters gehört dieser Anime nach wie vor zu den sehenswertesten Serien, erzählt er doch die bodenständig präsentierte Suche eines Sohnes nach seiner vermissten Mutter. Dass die Serie zur renommierten World Masterpiece Theater-Reihe gehört (bekannt für Anime wie „Heidi“, „Nils Holgersson“ oder „Niklaas – Ein Junge aus Flandern“), liefert denn auch den sachlichen Qualitätsnachweis.

Wann genau die Handlung von „Marco“ spielt, ist ohne Rewatch schwer zu sagen, da sich Google bedeckt hält, so vergessen ist diese tolle Serie. Produziert im Jahr 1976 von Studio Ghibli-Mitbegründer Isao Takahata („Die letzten Glühwürmchen“) dürfte sie jedoch auf jeden Fall ein paar Jahre davor stattfinden. Der kleine Marco Rossi, höchstens 7 Jahre alt, lebt mit seiner Familie in Genua, Italien, in vergleichsweise ärmlichen Verhältnissen, wie die meisten Bewohner der Küstenstadt. Eines Tages bietet sich seiner Mutter Anna die Chance, in Übersee Arbeit zu finden. Schweren Herzens nehmen die Eltern das Angebot wahr – und so bleibt Marco mit Vater und großem Bruder in Genua, während die Mutter ins ferne Argentinien reist. Vor allem Marco hält das kaum aus, gibt sich aber zufrieden, als die ersten Briefe der Mutter per Post kommen. Dann aber kommen plötzlich keine Briefe mehr.

Telefone gibt es offenbar noch nicht, was dafür spricht, dass die Handlung in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts spielt. Marco macht sich große Sorgen, was mit der Mutter ist, und auch Vater und Bruder können nur behelfsmäßig trösten. Selbst Peppino, ein kleiner Affe, der Marco überallhin begleitet, kann ihn nicht trösten. Und schließlich die Hiobsbotschafft: Die Mutter ist krank – und das im fernen Argentinien. Über Umstände erfährt Marco, wie man mittels Schiff nach Argentinien gelangt – selbstverständlich erlaubt ihm das zuerst niemand. Doch mit zunehmender Stille seitens der Mutter zieht er letztlich doch los.

Dass ein ca. 7-Jähriger mehr oder weniger allein von Genua bis Argentinien und weiter reist, ist vielleicht der einzige unrealistische Umstand, den man akzeptieren muss. Davon abgesehen ist Marcos Reise eine wunderschöne Weltbegehung, die ihre Aufs und Abs hat, letztlich aber ein positives Bild der Menschen, die Marco begegnen, zeichnet. Klar, heutzutage würde man einen einsamen 7-Jährigen sofort zur Polizei schleifen, aber damals war das eben noch anders. Und so findet Marco immer wieder neue Freunde, die ihm auf seinem Weg helfen. Allem voran von der Marionettenspieler-Familie, die er bereits in Genua kennenlernt und deren Weg sich später wieder kreuzt. Mit der jüngeren Tochter Violetta ergibt sich ein kleines Anbandeln und Affe Peppino hilft im Marionettenspiel für Publikumsbeifall. Doch wie immer muss die Reise irgendwann weitergehen.

Wie die Serie verläuft und endet, wird selbstverständlich nicht verraten, doch bei allen freudigen Erlebnissen gibt es auch immer wieder Grund für Tränen. In der weiten Welt ist nunmal nicht alles ein Spaß. Ich hatte die Serie als selbst noch kleines Kind geguckt, dabei aber nie alle Folgen gesehen. Erst mit knapp 30 kam die Erinnerung zurück und siehe da, es gab die gesamte Serie auf DVD! Ich glaube, so schnell habe ich 52 Folgen eines Anime noch nie gebinget. Eine ganz große Reise eines ganz kleinen Helden.


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