Shimoneta to Iu Gainen ga Sonzai Shinai Taikutsu na Sekai

Die folgende Serie ist etwas ganz Besonderes, denn ihre Thematik könnte heute nicht wichtiger sein, viel mehr noch als zum Original-Release 2015. Ich möchte daher eines vorausschicken: Anders als die bisherigen Meisterwerkempfehlungen ist „Shimoneta to Iu Gainen ga Sonzai Shinai Taikutsu na Sekai“ (zu Deutsch: „Eine langweilige Welt, in der das Konzept von schlüpfrigen Witzen nicht existiert„) eine hochgradig perverse Anime-Serie, voll von schmutzigem Humor, nackter Haut und, nunja, „stimulierenden Szenen“. Das macht diesen Anime jedoch nicht zu einem glorifizierten Porno oder ähnlichem: Shimoneta behandelt das Thema „sexuelle Zensur“, verpackt es in eine unterhaltsame Story mit brüllend komischen Charakteren und nimmt dabei kein Blatt vor den Mund. Für prüde Gemüter ist diese Serie sicher nichts, doch genau das ist der Punkt: Nur weil ein Produkt der Fiktion manchen nicht gefällt, ist das noch lange kein Grund dafür, es zu verbieten.

Studio: J.C. Staff
Genre: Comedy, Ecchi, Cyberpunk
Folgen: 12

In der Welt von Shimoneta wurde in Japan vor 16 Jahren das Gesetz zur Gesundheitserziehung für öffentliche Ordnung und gute Sitten eingeführt, das jegliche sexuellen Darstellungen und Äußerungen verbietet. Um dies einzuhalten, wird jeder Bürger Japans dazu gezwungen, ein Kontrollhalsband zu tragen, das sofort reagiert, wenn etwas Anzügliches stattfindet, und die Polizei informiert. Dem Held der Serie, Tanukichi, ist das ziemlich egal, freut sich der Schüler doch sogar, von seiner ehemaligen, verruchten Mittelschule auf die angesehenste Schule Japans wechseln zu dürfen. Wie sich herausstellt nur deshalb, weil Schülerratvorsitzende Anna Nishikinomiya Probleme mit dem Dingfestmachen einer bekannten Sittenterroristin hat. Anna ist in derart wohlbehüteter Umgebung aufgewachsen, dass sie nicht weiß, wie man Sittenwidrigkeiten erkennt, daher kann nur Tanukichi, der aus einer verdorbenen Mittelschule kommt, helfen! Für ihn kein Problem, schwärmt er doch heimlich für die moralisch tadellose Anna. Dann aber kommt stellvertretende Vorsitzende Ayame ins Spiel: Die enthüllt sich selbst als die gesuchte Terroristin und erpresst Tanukichi, sich ihr anzuschließen und fortan gegen die sexuelle Unterdrückung zu kämpfen. Dabei merkt Tanukichi bald schon, dass in dieser Welt der Zensur einiges im Argen liegt.

Wer nach diesem Opening nicht versteht, was ihn erwartet, hat selbst Schuld ;D

Shimoneta ist deshalb brandaktuell, weil seit wenigen Jahren erst diverse Zensurbewegungen, die sich beinahe ausschließlich gegen sexuelle Inhalte richten, ins Rollen gekommen sind. Der schockierendste Fall ist dabei mit Sicherheit die groß angelegte Zensur-Kampagne von Sony, die mittlerweile von jedem Spieleentwickler, der seine Spiele auf PlayStation 4 (und bald 5) veröffentlichten möchte, verlangt, das Spiel nach Sonys eigenen Richtlinien zu „korrigieren“. Dabei gibt es nach wie vor dedizierte Institutionen wie CERO, ESRB oder unsere deutsche USK/BPjM, die ohnehin gucken, was für Inhalte ein Spiel, ein Film oder ein Anime beinhalten und danach bewertet. Sony ist das offenbar zu lax und betreibt seither willkürliche Zensur, die sich vor allem gegen japanische Spieleentwickler richtet; willkürlich deshalb, weil die genauen Regeln bis heute verheimlicht werden und weil westliche Entwickler und Entwickler von großen Spieleprojekten immer wieder Ausnahmen erhalten. Vielleicht am Schlimmsten: Keine der größeren Videospiel-Webseiten hat über alles das berichtet. Leider ist das Beispiel Sony nicht das einzige, wenn es um sexuelle Zensur/Prüderie geht. So wird seit einigen Jahren die Toleranz für sexuellen Humor stetig untergraben, ein trauriger Umstand, der jedem aktiven Twitter-User bekannt sein dürfte. Man muss hier feststellen: Feminismus in seiner ursprünglichen Form ist richtig und wichtig – wenn er sich aber in ein Extrem entwickelt, in dem jeder sexuelle Inhalt, jeder sexuelle Witz als Angriff betrachtet wird, dann muss er sich Kritik gefallen lassen. Wohin solche Zensur dann im Extremfall führen kann, zeigt Shimoneta und bleibt dadurch, trotz allen Humors und lustiger Figuren, eine bedrückend nachdenkliche Serie.

Es geht um Seeeeeeex, kapiert?!

Wichtige Message hin, wichtige Message her, macht das allein diesen Anime zum Meisterwerk? Selbstverständlich nicht. Schlüpfrige Witze allein sind nichts wert, wenn das Pacing nicht stimmt, und das ist unheimlich stark in Shimoneta. Jeder Gag, jede Pointe sitzt und wird so unfassbar schamlos umgesetzt, dass selbst abgebrühte Ecchi-Gucker wie ich jedesmal wieder denken „omg, dürfen die das? Dürfen die das?!“ Andererseits leben wir in einer Post-Isshuzoku Reviewers-Ära, was alles gleich wieder relativiert. Um nur ein Beispiel für den Humor zu nennen: Saotome ist ein späteres Mitglied der Rebellen/Terroristen und als meistervolle Mangazeichnerin in der ganzen Schule bekannt. Sie soll für die Gruppe sexy Propaganda erstellen (also perverse Bilder zeichnen). Um dabei zu verhindern, dass die Polizei sie anhand ihres Schriftbildes überführt, zeichnet sie nicht mit den Händen, sondern mit dem Stift im Mund! Anderes Beispiel sind die ständigen Dialoge zwischen den beiden Hauptfiguren Ayame und Tanukichi, wobei erstere es IMMER schafft, irgendeinene schmutzige Formulierung in ihre Sätze einzubauen. Und wenngleich es unglaublich erscheint: Die Serie erhält im Verlauf der Geschichte sogar einen, im Kontext des Settings!, coolen Bösewicht! Also, einen perversen Bösewicht. Der aber auch irgendwie cool ist. Wirklich!!1

Das Urteil über den H-Faktor können wir uns diesmal eigentlich schenken. Eine Heldin, die nackt, nur mit Bettbezug umhüllt, herumläuft und obszöne Gesten verteilt. Eine sexsüchtige Nymphomanin, die ihrem Liebsten ihren Liebesnektar einzuflößen versucht. Und unzählige Szenen, die tatsächlich sexy genug sind, um schon fast ins Hentai-Genre zu rutschen. Shimoneta nimmt kein Blatt vor den Mund, für prüdere Gemüter, denen sexueller Humor zu peinlich ist, ist dieser Anime deshalb nichts.

Shimoneta war für mich ein echter Überraschungs-Anime, den ich zur Originalausstrahlung völlig ignoriert hatte. Beim kurzen Drüberlesen der Synopsis klang das nach einem von unzähligen Ecchi-Anime, und das muss ich nicht unbedingt haben, geht es doch fast immer um plumpe, nackte Haut. In Shimoneta gehört all das Perverse, Obszöne und Schmutzige aber zum Kernkonzept der Geschichte und erhebt sich dadurch über das Ecchi-Einerlei hinaus. Klar ist das Setting der absoluten Überwachung und Unterdrückung von sexueller Freiheit stark übertrieben, doch als aufmerksamer Anime- und Videospiel-Fan komme ich nicht drumrum, die Brisanz dieses wichtigen Fingerzeigs weiterzugeben. Man muss etwas nicht mögen, darf es auch widerlich und pervers finden – nur Verbote und Zensur einfordern und es für all diejenigen kaputt machen, die es eben doch gut finden, das ist daneben und gehört kritisiert. Shimoneta tut das auf amüsanteste Art und Weise und ist deshalb, vor allem im Jahr 2020, ein Must-See.


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